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Teshigawara im Tanzhaus NRW: Die Bühne als Meditationsraum

Teshigawara im Tanzhaus NRW: Die Bühne als Meditationsraum

Mit Saburo Teshigawara ist ab morgen einer von Japans bedeutendsten Tänzern und Choreographen im Tanzhaus NRW zu Gast.

Düsseldorf. Wenn Saburo Teshigawara tanzt, nimmt die Luft Gestalt an. Sie wird zur gedachten Mauer, die der Künstler in Zeitlupe durchdringt. Oder zu einer Luftmasse, die er mit den Händen zur Seite schiebt.

Bei dem japanischen Choreografen und Tänzer wird die Bühne zum Meditationsraum. Seine energetischen Bewegungen sind mal von einer hypnotisierenden Ruhe und zeitlupenhaften Geschmeidigkeit, dann von einem blitzartigen Tempo. Doch auch die Regungslosigkeit hat bei Saburo Teshigawara eine große Bedeutung.

In seinem Meisterwerk „Absolute Zero“ ist sie der Ausgangspunkt für neue Bewegungen, die die Schönheit der Stille hervorheben. Im Tanzhaus NRW stellt Teshigawara mit seinem Ensemble Karas („Krähe“) die Produktion „Mirror and Music“ als Deutschland-Premiere vor.

Der Asiate mit dem markanten, kahl geschorenen Schädel ist weltweit einer der bedeutendsten zeitgenössischen Tanzschöpfer. Er ist ein Künstler, der seine Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen möchte. Bei seinen Performances gräbt er sich in Erde ein oder geht über Glasscherben, wobei es ihm nicht um das Risiko geht. Er will sich mit der Materie auseinandersetzen, die ihn umgibt.

In „Mirror and Music“ schafft der 58-Jährige eine atemberaubende Performance zu einer Musikcollage aus Barockkompositionen und elektronischen Sounds: Eine meisterliche Meditation über das Verhältnis von Körper, Raum, Musik und Licht.

Teshigawaras Bilderwelten sind von ästhetischer Reinheit und philosophischer Tiefe. Die Lichtinszenierung in „Mirror and Music“ fragmentiert die feine Qualität des Tanzes zu kristallinen Bewegungsblitzen. Und wie immer ist er auch sein eigener Bühnenbildner.

Saburo Teshigawara, geboren in Tokio, ist ein Spätberufener. Nach seiner Ausbildung als Bildhauer absolvierte er eine klassische Ausbildung — da war er bereits 23 Jahre alt. Den japanischen Butoh seines Kulturkreises hat er überwunden wie er überhaupt von Vorbildern nie etwas hat wissen wollen.

Seine Kunst ist einzigartig. Im Tanz macht er Unsichtbares sichtbar. So lautet auch der Titel einer Filmdokumentation über ihn „Saburo Teshigawara. Dancing the invisble“, die im Tanzhaus NRW zu sehen ist.