Tanzhaus: Spaß mit „Wilde Zeiten“

Tanzhaus: Spaß mit „Wilde Zeiten“

23 Düsseldorfer Jugendliche proben derzeit eine eigene Tanzproduktion.

Düsseldorf. Der Streit droht zu eskalieren. Wie weiland in der "West Side Story" stehen sich zwei Ganggruppen unversöhnlich gegenüber. Nur dass die eine mit Rollator und Tattrigkeit, die andere mit Fitness und "Time-is-on-my side"-Gehabe bewaffnet ist. Die Beschimpfungen zwischen Alt und Jung nehmen an Schärfe zu, doch plötzlich löst sich die Schlacht der Generationen elegant in eine Szene zwischen Jungs und Mädchen auf.

Das Stück, das Choreograf Guido Markowitz derzeit auf der kleinen Bühne des Tanzhauses probt, trägt den sinnfälligen Titel "Wilde Zeiten". Zur live gespielten Musik der Band "Lauter Leben" beschreibt es mit Songs, Spielszenen und vor allem Tanz einen Tag im Leben eines Jugendlichen: vom Aufstehen über Freunde, SMS-Gewittern oder den Streit mit den Alten. Akteure sind dabei die Jugendlichen selbst, die Guido Markowitz an Düsseldorfer und Wuppertaler Hauptschulen gefunden hat.

Von den 80 Interessierten blieben nach dem Casting 30 junge Tänzer zwischen 14 bis 19 Jahren. Nach der einjährigen Probenphase sind es jetzt noch 23 übrig, die ein Sammelsurium an kulturellen Backgrounds vom Iran bis Togo mitbringen. Zunächst ging es für Markowitz darum, Vertrauen herzustellen, vor allem bei den jungen Männern.Sie tanzten zwar die knalligen Funk- und Breakdance-Einlagen oder die roboterhaften Popping-Moves mit sichtbarem Elan, doch bei den gefühlvollen Nummern bedurfte es der Überzeugungsarbeit.

Zutrauen schuf vor allem, dass der Choreograf die Jugendlichen Dialoge und Tanzschritte auch selbst entwickeln ließ. Das hat Alberto Palma beeindruckt, der die Düsseldorfer Hauptschule Itterstraße besucht. "Wir erzählen etwas über unsere Generation", sagt der 17-jährige, der sich bisher eher für Fußball und Kampfsport begeistert hat; der Tanz wurde für ihn zu einer "ganz neuen Erfahrung".

Anders dagegen die gleichaltrige Nadège Ayenu von der Wuppertaler Röttgen-Hauptschule. Seit Jahren besucht sie den Ballettunterricht sowie die "Sommertanz"-Kurse für junge Talente und ist schlicht begeistert: "Es macht mir vollkommen Spaß". Und die Verve ihrer rhythmisch exakten und ausdrucksstarken Bewegungen lassen keinen Zweifel, wo Nadège Ayenu ihre Zukunft sieht: natürlich im Tanz.

Dass Spaß sich mit Erfolg verbinden lässt, zeigt das Interesse, das die "Wilden Zeiten" inzwischen jenseits der Stadtgrenzen erregen. Die von den Rotary-Clubs Pempelfort und Schloss-turm geförderte Produktion wurde prompt nach München eingeladen, wo sie den Kongress "Kinder zum Olymp!" der Bildungsinitiative der Länder am 25. Juni eröffnen soll.

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