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Tanzen soll ein Schulfach sein

Tanzen soll ein Schulfach sein

Seit zweieinhalb Jahren läuft in Düsseldorf das Projekt „Take-off: Junger Tanz“. Ein Erfolg, finden die Initiatoren und machen weiter.

Düsseldorf. Typisch Düsseldorf - so bezeichnet Bertram Müller das Projekt "Take-off: Junger Tanz". Vor zweieinhalb Jahren startete der Tanzhaus-Direktor mit einer Vision und vielen Beteiligten: "Wir wollen zeitgenössische Tanzkunst an Jugendliche weitergeben." Und das versteht man hier ganz praktisch: Choreografen und Tänzer gehen in zehn Schulen und sechs Jugendzentren und bringen zusammen mit den Kindern und Jugendlichen etwas auf die Bühne.

Müller möchte das nicht als rein pädagogisches Projekt verstanden wissen. Er vergleicht die Begegnung eher mit dem Lernen an der Kunstakademie, ein Treffen von Schüler und Meister. Ihm geht es darum, dass die jungen Menschen selbst wirksam werden im schöpferischen Akt. Und das findet er typisch für Düsseldorf.

Insgesamt fünf Jahre läuft das Projekt, das Teil der bundesweiten Initiative Tanzplan Deutschland ist. Danach soll allerdings längst nicht Schluss sein. Wie in anderen Bundesländern schon üblich, möchten die Initiatoren in Düsseldorf und NRW Tanz oder Darstellende Kunst als Schulfach etablieren. Daher läuft auch seit Beginn eine wissenschaftliche Untersuchung des Projekts.

Heiner Barz von der Heinrich-Heine-Uni, Leiter des Lehrstuhls für Bildungsforschung und Bildungsmanagement, stellt "Take-off" ein gutes Zeugnis aus. Unter den 1800 Befragten gebe es ein klares Votum für Tanz als Schulfach. "Das könnte gewissermaßen als Gegengift zu Pisa wirken", sagt der Wissenschaftler.

Stehe bei allen Konsequenzen aus der Pisa-Misere die Kognition, ein Lernen auf Vorrat für einen späteren Zeitpunkt im Vordergrund, geht es bei den Tanzprojekten um die Gegenwart. Ein wichtiges Angebot einer ganzheitlichen Pädagogik, sagt Barz.

Um dem Vorwurf zu entgehen, nur auf die eigene Sparte zu achten, sind von Anfang an auch die Tonhalle, das Junge Schauspielhaus und das Forum Freies Theater mit im Boot. Ein genaueres Bild können sich Interessierte beim Festival machen, das morgen startet.