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"Switch"-Star Petra Nadolny spielt in der Komödie Düsseldorf

Boulevard-Klassiker „Keine Leiche ohne Lily“ : Petra Nadolny spielt eine Hobbydetektivin

Die Parodistin aus der unvergessenen Comedy-Serie „Switch“ spielt in Düsseldorf wieder Theater – als Hobbydetektivin im Stück „Keine Leiche ohne Lily“.

Bald wird Petra Nadolny in der Komödie Düsseldorf als gewitzte Putzfrau über die Bühne wirbeln. An diesem Donnerstag hat der Boulevard-Klassiker „Keine Leiche ohne Lily“ Premiere. „Meine Figur ist dankbar, hat Witz, Charme und etwas kindlich Unbedarftes“, sagt die Schauspielerin. Die Kriminalkomödie von Jack Popplewell aus den 1960er-Jahren sei keineswegs verstaubt: „Das Moderne darin ist das Beziehungsgeflecht der Personen. Wie reagieren Menschen, wenn sie in Bedrängnis geraten und etwas verbergen wollen? Die haben alle Dreck am Stecken. Alle außer Lily.“

Regie führt Christof Düro, der das Stück mit einigen Streichungen in die Jetzt-Zeit holte. „Damit gebe ich auch den Nebenfiguren mehr Raum und lasse sie glühen“, sagt er: „Sie ernst zu nehmen, das ist der Zauber. Bei Lily, schlau und sympathisch, fällt es leicht. Wenn ich sie aber mit Liebe betrachte, kann ich auch eine Zicke saftig auf die Bühne stellen.“

Bevor Nadolny als Hobbydetektivin ans Werk geht, sollte sie mit ihrem Comedy-Kollegen Peter Nottmeier bei den „Sofahelden“ in der Komödie zu Gast sein. Dieser Termin fiel aus Krankheitsgründen ins Wasser, demnächst wird es einen neuen geben. In dem unterhaltsamen Format zählen Schlagfertigkeit und sprühende Präsenz.

Sie parodierte Nina Hagen,
Frauke Ludowig und Dolly Buster

Natürlich wird das Moderatoren-Duo Ilka Luza und Christof Düro die beiden ausgebufften Profis in Sachen Humor schwer herausfordern. Petra Nadolny ist davor nicht bange. Schon deshalb, weil ihr das Haus vertraut ist, nachdem sie dort mehrmals gespielt hat. „Ein schöner Ort, ich komme gern hierher. Alle wollen gemeinsam das Beste erreichen. An diesem Theater hängt mein Herz.“

Die Königsdisziplin aller Komödianten ist die Parodie. Nadolny hat sie in vielen Rollen erfüllt. Welcher „Switch“-Fan würde sich nicht an ihre bravourösen TV-Auftritte als Nina Hagen, Frauke Ludowig oder Elke Heidenreich erinnern? Bei einer Fernsehgala parodierte sie Dolly Buster – und erstarrte, als sie die Porno-Queen im Publikum entdeckte. „Ich ging ja ganz schön hart mit ihr um. Aber sie kam sofort auf mich zu und wollte am Schluss gemeinsam mit mir auf die Bühne. Da standen sich plötzlich zwei Dollys gegenüber.“ Für die meisten Prominenten war es ein Ritterschlag, parodiert zu werden. Schauspielerische Begabung allein reicht dafür nicht, was also ist das Geheimnis? „Genau hingucken und die Gestik studieren, gut hinhören und den Sprachduktus erfassen“, sagt Nadolny: „So kommt man auf den Kern. Vergleichbar mit einer Karikatur, die überhöht, aber das Wesentliche trifft.“

Bevor Nadolny damals über ihr erstes Casting zu „Switch“ kam, hatte sie schon einen harten Schnitt im Leben und ein reiches Theaterleben hinter sich. Sie stammt aus Jarmen in Mecklenburg-Vorpommern, schloss ihr Studium in Leipzig als diplomierte Journalistin ab. Danach war sie Redakteurin beim „Börsenblatt des Deutschen Buchhandels zu Leipzig“, der DDR-Schwester zu Frankfurt. Ihr Antrag auf Ausreise wurde mit Berufsverbot bestraft. Mit Schauspielerei überbrückte sie die Zeit, gründete mit Mann und Schwager ein Theater. Die Stücke waren durchaus kritisch, ein Ritt auf der Rasierklinge. Warum ließ man sie spielen? „Das ist das große Rätsel. Ich fand auch später in meinen Stasi-Unterlagen keinen negativen Vermerk“, sagt sie.

Ein Jahr vor der Wende kam sie mit ihrem Mann und der dreijährigen Tochter (heute Psychotherapeutin in Berlin) ins Ruhrgebiet. Kein leichter Anfang für zwei Künstler ohne Wohnung, ohne Arbeit. Mit Unterstützung von Kollegen aus der freien Szene fassten sie Fuß, gründeten erneut ein Theater, das mit dem Stück „Der Fischer und seine Frau“ als „Theater des Monats“ ausgezeichnet wurde. Eine Eigenproduktion. „Der Ossi macht alles selbst“, sagt sie und lacht. Apropos Ossi: Über ihr Leben in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen hat Nadolny zwei Bücher geschrieben, in denen es auch um den Begriff Heimat geht. Ihre Karriere ging gut geölt weiter, bis heute. Gerade dreht sie für Sky „The Kraut’s Edition“, die deutsche Version von „Spitting Image“, schwarzhumorig und frech. Der Film „Masel Tov“, in dem sie eine Lehrerin spielt, wurde hochprämiert. Sehr glücklich ist sie über eine Familien-Krimireihe (Disney Channel), bei der Kinder interaktiv mitraten dürfen. „Und ich“, sagt Nadolny, „bin endlich mal die
Kommissarin.“