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Gastbeitrag des neuen Lambertus-Kantors: Start mit Komplikationen

Gastbeitrag des neuen Lambertus-Kantors : Start mit Komplikationen

Gastbeitrag Alexander Niehues kam vor einigen Wochen aus Mannheim an die Basilika St. Lambertus. Bereits an seinem zweiten Arbeitstag wurde der erneute Lockdown verhängt. Er wartet sehnsüchtig auf die Zeit, in der in der Kirche wieder beherzt gesungen werden darf.

Bevor ich als Mainzer, also gebürtiger Rheinländer, nach Düsseldorf kam, traf mich im Frühjahr die Corona-Pandemie kolossal. Ich war noch Bezirkskantor in Mannhein, und alle Gottesdienste fielen aus, sämtliche Konzerte wurden abgesagt. Für die Gottesdienstgemeinde war das ein großer spiritueller Verlust, und für die Sängerinnen und Sänger der Chöre fiel eine intensive und heilsame Freizeitbeschäftigung weg. Dramatisch waren die emotionalen und finanziellen Einbußen auf Seiten der freischaffenden Künstler.

Was hat sich aber gezeigt? Die Kirchen und der Kultursektor fanden neue Wege. Der Zusammenhalt der Chöre, die vielen Hilfsangebote, aber auch die Initiativen vieler junger Menschen waren beeindruckend. Über den Sommer war dann schon wieder mehr möglich, und schließlich kam Allerheiligen – und für mich der Neustart als Lambertuskantor in Düsseldorf. Zwei Mozartmessen durfte ich in der Maxkirche an der Orgel begleiten unter der Leitung meines Kollegen Markus Belmann. Am Abend konnten wir dann den Gottesdienst in St. Lambertus feiern, in dem auch Sängerinnen und Sänger des Stiftschores mitwirkten. Mich erreichte eine Welle des herzlichen Willkommens.

Am Tag darauf: der zweite Lockdown. Kultur auf null! Wir Kirchenmusiker tun unser Bestes, den freischaffenden Kolleginnen und Kollegen innerhalb unserer Gottesdienste Auftrittsmöglichkeiten und Einnahmequellen zu schaffen.

Es ist nicht einfach! Den Stiftschor lerne ich nun per E-Mail kennen und sende jede Woche ein Video mit einer „digitalen“ Chorprobe. Dieses Angebot wird dankbar angenommen. Nun sind wir mitten im Advent. Meinem Verständnis nach wäre es vertane Zeit, nur auf Weihnachten zu „warten“. Einfach nur die Tage zu zählen, bis wir den 24. Dezember haben, das wäre wie das Rückwartszählen bis zum Urlaub.

Der Advent soll mit
Musik erfüllt werden

Mein ambitionierter Wunsch in jedem Jahr ist, die Tage im Advent mit Sinn zu füllen. Manchmal gelingt es nicht für mich selbst, aber vielleicht kann ich durch ein Orgelstück im Gottesdienst einen Moment des Advents schaffen. Denn: Wir „er-warten“ Weihnachten! Wir „warten“ nicht nur auf das Fest, sondern wir „erwarten“, dass Gott Mensch wird. Dass er uns nahekommt, sogar so nahe, dass er in uns und durch uns selbst Wirklichkeit werden kann. Eine besonders schöne Lebensidee, wie ich finde.

So warten wir auch nicht nur auf die Zeit nach Corona, sondern wir erwarten sie sehnsüchtig. Es soll wieder möglich sein, einander die Hände zu schütteln, in die Arme zu nehmen und bei Begegnungen sichtbar anzulächeln. Wir wollen im Gottesdienst wieder beieinandersitzen und beherzt singen. Wir wollen in Chor- und Orchesterproben wieder Kontakt haben und unsere Mitstreiter nicht nur aus der Ferne sehen, sondern auch die Nähe spüren. Wir wollen Konzerte gestalten und auch in Konzerte jeder Art gehen und die Kunst genießen.

Ich wünsche mir, dass wir auch bald wieder die internationalen Orgelkonzerte an St. Lambertus anbieten können. Ich wünsche mir, bald wieder mit dem Stiftschor singen, auf viele unterschiedliche Weisen die Basilika zum Klingen bringen und neue Ideen umsetzen zu können.

Auch möchte ich endlich voll in das neue Konzept der Kirchenmusik der Pfarrei St. Lambertus einsteigen, in dem wir viel zusammenarbeiten wollen. Ich wünsche mir, mit der Musik die Leute wieder direkt erreichen zu können. Leider wird all das noch dauern, und für die ungewisse Spanne bis dahin müssen wir die Zeit nutzen. Machen wir uns Mut und halten wir zusammen. Es ist unsere Aufgabe, sich für das Danach vorzubereiten und dann die neuen Errungenschaften in die kommende Realität einzugliedern, viele neue Ideen anzupacken. Und vor allem unsere Sehnsüchte zu stillen.