Star-Mezzo Elīna Garanča in der Kitschfalle

Konzert : Star-Mezzo Elīna Garanča in der Kitschfalle

Wenngleich das Konzert in der Tonhalle bejubelt wurde, lohnt ein kritischer Blick.

Dass von Kritik und Publikum gelobte große Stimmen des Opernfachs auch gerne mal Ausflüge ins Populäre versuchen, ist nichts Neues. Dies kann mal mit Stilgefühl, mit Würde passieren, kann aber auch ganz gehörig schieflaufen, vor allem, wenn Form und Inhalt auseinanderfallen.

Nun, keine Sorge, letzteres dem Auftritt der lettischen Mezzo Elīna Garanča mit der NDR Radiophilharmonie Hannover unter der effektvollen Leitung ihres Mannes Karel Mark Chichon in der Tonhalle vorzuwerfen, wäre übertrieben. Dennoch blieb dieses Konzert auf Einladung von Heinersdorff nicht nur positiv in Erinnerung.

Garanča stellte, neben einer kurzen Reminiszenz aus ihrem Repertoire im ersten Teil mit zwei Arien der Eboli aus Verdis „Don Carlos“, vornehmlich Stücke von ihrem neuen Album bei Deutsche Grammophon „Sol y vida“ vor. Wenn wir schon von „Neuen Alben bei großen Labels“ sprechen: In der Tat gibt es seit Längerem die Tendenz, „große Stars“ mit niederschwelligen Fan-CDs, versehen mit leichten Potpourri-Programmen, gerne geschmückt mit einer kuscheligen Geschichte und einem marktschreierischem Titel, zu promoten. Vergleichbar dem Schlagerbusiness. Leider ist „Sol y vida“, auch wegen den teilweise von Chichon eingerichteten eher an Hollywood-Schlager aus den 50er erinnernden Arrangements – von der Aufmachung ganz zu schweigen –, aus dieser Reihe nicht herauszunehmen. Wenngleich Garanča betont, dass ihr just dieses Programm wahrlich eine Herzensangelegenheit sei: Ob nun „Musica proibita“ von Gastaldon, Hermidas „Lela“ oder eine weibliche Variante von „Nu puede ser!“ aus Sorozábals Zarzuela (spanisches Singspiel), um eine kleine Auswahl der Stücke von der CD zu nennen, die auch beim Konzert erklangen.

So oder so, die mit einer gut sitzenden Stimme singende Sopranistin weiß ihr Organ effektvoll einzusetzen. Ihre Stimme klingt im ersten Teil des Konzertes gerne düster eingefärbt, dramatisch künstlich aufgebauscht, doch raffiniert. Was auch im zweiten Teil durch schöne stimmliche Bögen zu erspüren war. Nur war leider zu wenig von dieser Stimme zu hören, dafür aber viele Orchesterzwischenspiele aus der ewigen Ouvertüren-Kiste, mit Qualität gespielt von den Hannoveranern, aber etwas verkitscht. Dies gilt für eine auf Effekt getrimmte Bearbeitung von Griegs inniglichem Kunstlied „Jeg elsker Dig!“ (Ich liebe dich) aus seinem op. 5 leider auch; mit dem schon Carreras seinerzeit nicht gerade Geschmack bewies. Dass es für dieses effekthascherische Programm Jubel im Publikum gab, mag auch an der unerschütterlichen Hingabe der Anwesenden an „Die Garanča“ liegen.

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