Special zum Brexit: Was Düsseldorf mit den Briten verbindet

Special zum Brexit: Britische Kultur in Düsseldorf : „Ich bin und bleibe Britin“

Rosie Thorpe leitet das English Theatre in Düsseldorf. Der Brexit stellt ihre Liebe zur neuen Heimat auf die Probe.

„Wenn ich auch nächstes Jahr einen Deutschen heirate und meinen Einbürgerungstest bestanden habe, will ich dennoch meinen englischen Pass nicht abgeben.“ Die 31-jährige Britin Rosie Thorpe  – Schauspielerin, Sprecherin und seit 2018 Leiterin des English Theatre Düsseldorf – kam auch der Liebe wegen an den Rhein. Und lebt hier seit 2015 mit dem Elektro-Ingenieur Thomas Bergmann zusammen. Nächstes Jahr wollen die beiden heiraten, in England. Und haben gerade für die Hochzeit viele Kisten mit deutschem Wein in ihre Heimat, zu Rosies Eltern in der Grafschaft Kent, transportiert. Mit dem Auto. „Man weiß nicht, ob nach dem Brexit-Termin, wann immer er auch sein wird, noch ohne Zoll möglich ist“, sagt sie. „Wein kostet in England doppelt so viel wie hier.“

Rosie vermarktet ihre Stimme. Arbeitet als Sprecherin in Tonstudios, überwiegend für Werbung von internationalen Unternehmen. Nach ihrer Schauspiel-Ausbildung in England arbeitete sie zunächst in London für die Theatergesellschaft „Selladoor“. Doch in London wurde das Leben so teuer, dass sie im Ausland arbeitete. Dank EU kein Problem.

Auch sie hat den Einbürgerungstest im letzten November absolviert, in der Volkshochschule. Zuvor paukte sie Deutsch in einer Sprachschule, täglich, acht Monate lang und bestand das Sprachzertifikat B2. Das sei Voraussetzung für Jobs, sagt die Freelancerin, die fließend Deutsch spricht. Mails schreibt sie ebenfalls in deutscher Sprache. Bei offiziellen Mails – etwa Förderanträge für das English Theatre – schaut ihr Mann drüber.

Um den deutschen Pass zu bekommen, müsse sie insgesamt fünf Jahre hier gelebt haben. Da fehlen noch sechs Monate. Die Zeit, in der sie von 2010 bis 2011 für ein Tournee-Theater in Soest gearbeitet hat, werde angerechnet. Im September seien fünf Jahre voll. Für die Einbürgerung bedeutet das, dass sie dann nochmal einen Antrag beim Einwohnermeldeamt stellen muss. Zwei Optionen habe sie dann: „Entweder bleibe ich mit britischem Pass und Visum hier, oder ich gebe ihn auf.“ Wenn es zum ungeordneten Brexit kommt, also der „worst case“ eintrete, bleibe sie voraussichtlich bis zur Einbürgerung mit einem Arbeitsvisum hier. Mit einem Deal (geordneter Brexit) hofft sie auf eine Übergangsreglung. Langfristig darauf, dass sie zwei Pässe haben kann.

Kopfschüttelnd, manchmal verzweifelt „schauen wir BBC und erleben, was in diesen Tagen im House of Parliament geschieht. „Die Politiker leben in einer anderen Welt“, klagt sie. „Und wissen nicht, was sie uns Engländern antun.“ Ihre Familie habe erst durch sie erfahren, wie wichtig die EU auch für Briten sein kann. Den britischen Pass wegen des Brexit abzugeben, kann sie sich nicht vorstellen. „Ich bin und bleibe Britin, wenn ich auch Deutschland liebe und hier sehr glücklich bin.“ Was an ihr „deutsch“ sei? Rosie wandert gerne durch Wälder und Gebirge, schwärmt von „german Bier“, Kaffee und Kuchen. Was ihr fehlt, bringt sie sich aus England mit: Teebeutel, Marmite, die berühmte Gewürzpaste.

Thema Politik: Da ist sie unentschieden. Bei der letzten Unterhaus-Wahl gab Rosie Thorpe ihre Stimme den Liberaldemokraten. Beim nächsten Mal? Schwer zu sagen. Vielleicht denen, die alles wollen, nur keinen Brexit.

Mehr von Westdeutsche Zeitung