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So lief der Neustart im Theater an der Luegallee

Theater an der Luegallee : Zum Auftakt steht ein Ehepaar auf der Bühne

Das Theater an der Luegallee spielt trotz Einschränkungen wieder.

Das Theater an der Luegallee ist ein Zimmertheater. Wenn die Zuschauer in der ersten Reihe die Beine ausstrecken, stoßen sie gegen die Bühnenrampe. Jeder Dialog wirkt sympathisch, denn die Akteure müssen sich einen eng bemessenen Spielplatz teilen. Doch in Zeiten von Corona ist alles anders. Da wollen Abstandsregeln eingehalten werden. Christiane Reichert, die patente, flotte Chefin des Hauses, hatte eine gute Idee, um trotz aller Beschränkungen die Tür in den abschüssigen Raum wieder zu öffnen: Sie lud ein Ehepaar zum Gastspiel ein. Kris und Mona Köhler aus Wetter an der Ruhr leben auch im Alltag Seite an Seite. „Mach‘s noch einmal, Mona Lisa“ konnte also beginnen.

Wie in einem Schachspiel hatte die Leiterin alle Verordnungen umgesetzt. Das Ensemble spielt in der Regel vor 75 Zuschauern, hat aber die Erlaubnis, hundert Gäste einzulassen. Da gegenwärtig nur ein Viertel der Plätze besetzt sein darf, ist die Zahl der Zuschauer überschaubar. 25 Neugierige sind erlaubt. Was kann man da noch als finanziellen Gewinn einfahren? „Wir sind glücklich, dass wir überhaupt wieder starten können. Das Ensemble brennt darauf, Theater zu machen. Wir sind mehr oder weniger alles Idealisten. Und 25 Zuschauer sind besser als gar keine.“

Mindestens genauso glücklich war das Publikum. Nach Auskunft des Personals besteht das ausschließlich aus Stammgästen, ältere Zuschauer, denen die Politiker regelmäßig erklären, sie sollten besser zu Hause bleiben. „Ich hatte eine solche Sehnsucht, endlich wieder etwas zu unternehmen“, sagte eine Dame. Eine andere lobte das Milieu: „Ein schönes kleines Boulevard-Theater, das selbst mit Mundschutz eine gemütliche Atmosphäre hat. Wir als Publikum sind wie eine große Familie. Im Laufe der Zeit kennt man sich.“

Christiane Reichert hatte die Herrschaften streng nach dem Gebot der Stunde platziert. Eine freie Platzauswahl gab es nicht. Jeder einzelne Zuschauer wurde vorab gefragt, ob er allein oder im Doppelpack kommt. Pärchen durften nebeneinander sitzen, Singles wurden mit der Messlatte platziert. Das sei auch bei den Kartenwünschen von Theatergemeinde und Volksbühne so. Die Besucherorganisationen geben die Zahlen der Besucher inzwischen aufgeschlüsselt an. Gespielt wird die Komödie von Stefan Keim um das verschwundene Bild der Mona Lisa bis einschließlich Sonntag, wobei die beiden Samstag-Vorstellungen schon ausverkauft sind.

Bis Donnerstag nächster Woche muss Theaterchefin Reichert ein noch viel schwierigeres Problem gelöst haben, denn dann spielt das Ensemble wieder selbst, mit der Chefin als Regisseurin und Schauspielerin. Fünf Personen werden auf der Bühne stehen, um „Miss Marple ermittelt: Scherz beiseite“ frei nach Agatha Christies Krimi „Ein Mord wird angekündigt“ darzustellen. Die Theaterleute werden ohne Mundschutz oder Visierhelm auftreten.

Aber gerade das ist eine Kunst. „Wir machen Proben mit dem Zollstock, um den Abstand von 1,50 Metern zwischen den Schauspielern zu wahren“, sagt die Regisseurin. „Die Distanz gilt auch bei einer voneinander abgewandten Sprechrichtung.“ Ein Stück aus den 1930er Jahren könne man eben nicht mit Plastikhelmen spielen, die an Astronauten erinnern. Noch ist allerdings nicht alles geklärt für die Wiederaufnahme des beliebten Stücks auf der kleinen Bühne. Es geht nicht nur um eine vermeintliche Leiche im Wohnzimmer, sondern auch um eine Kussszene. „Hier müssen wir uns noch etwas einfallen lassen“, sagt sie. Doch schon jetzt können sich die nächsten Stammgäste freuen, denn dann wird der normale Spielplan eingehalten, bei fünf Vorstellungen in vier Tagen. Von Montag bis Mittwoch ist generell spielfrei in Oberkassel.