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Serie Meine Lieblingsorgel in der Lambertus-Basilika in Düsseldorf

Serie Meine Lieblingsorgel (3/4) : Ein Stück Paris in der Altstadt

Die Rieger-Orgel in St. Lambertus huldigt einem französisch-symphonischen Ideal.

Als ich als Kind mit meinem Vater, der ebenfalls Kirchenmusiker war, das erste Mal in Paris war, besuchten wir natürlich den Sonntagsgottesdienst in der Kathedrale Notre-Dame. An der Orgel saß der legendäre Improvisator ­­Pierre Cochereau.

Ich war überrascht und überwältigt von einem völlig anderen Sound als dem, den ich von heimischen Kirchenorgeln kannte. Zungenstimmen (Orgelregister wie Oboe und Trompete) waren nicht nur Soloregister, sondern dominierten den ungewohnt sonoren Gesamtklang. Fortan zog es mich immer wieder nach Frankreich, um Orgelmusik von Charles-Marie Widor, César Franck oder Louis Vierne auf diesen typisch französischen Instrumenten zu hören.

1999 aute die österreichische Orgelbaufirma Rieger in St. Lambertus eine neue, große Orgel ganz im Stil französischer Kathedralorgeln. Von nun an musste man nicht mehr nach Paris reisen, um diesen speziellen Klang zu genießen. Düsseldorf war um eine Attraktion reicher geworden.

 Kantor ­­Hanjo Robrecht schwärmt für das mächtige Instrument mit zwei 32-Fuß-­Registern.
Kantor ­­Hanjo Robrecht schwärmt für das mächtige Instrument mit zwei 32-Fuß-­Registern. Foto: Endermann, Andreas (end)

Der Klangcharakter dieser orchestralen, symphonischen Orgel wird von grundtönigen Registern bestimmt. Ein Acht-Fuß-Register, benannt nach dem alten Längenmaß Fuß, entspricht in der Tonhöhe dem Klavier. Ein 16-Fuß-Register klingt also eine Oktave tiefer. Diese Orgel verfügt sogar über zwei 32 Fuß große Register – und beim Zungenregister Contra-Bombarde lässt schon der Name vermuten, was klanglich zu erwarten ist.

Eine solche Orgel ist ohne Schwellwerk nicht denkbar. Dabei umschließt der Orgelbauer eine Anzahl von Registern mit einem großen Holzkasten, an dessen Seite eine Jalousie angebracht ist. Der Organist kann mit einem Pedal die Jalousie öffnen und ähnlich wie beim Gasgeben im Auto die Lautstärke stufenlos vom Piano ins Forte führen. Bei der Lambertus-Orgel wurde der Schwellkasten für die optimale Dämpfung doppelwandig gebaut und mit Quarzsand gefüllt. Es lässt sich so mit den lautesten Registern ein wunderbares Pianissimo erzeugen. Bei geschlossener Jalousie entsteht der Eindruck einer Orgel, die in weiter Ferne zu hören ist.

Kein Wunder, dass dieses Instrument bis heute meine Lieblingsorgel in Düsseldorf ist.

Der Autor ist Kantor der
Herz-Jesu-Kirche in Derendorf.