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Schüler wünschen sich Tanz-Unterricht

Schüler wünschen sich Tanz-Unterricht

„take-off: Junger Tanz“ läuft seit 2006 erfolgreich in zehn Schulen. Bis 4. Dezember zeigen sich beim Festival die Profis.

Düsseldorf. Seine These ist gewagt: „Es gehen mehr Menschen zum Tanzen als zum Fußball“, erklärt Bertram Müller. Nun ist der Tanzhaus-Leiter kein Unparteiischer und Statistiken bekanntlich geduldig. Doch eines ist sicher: Die Zahlen des Programms „take-off: Junger Tanz“, das sich zurzeit beim 6. Festival in all seinen Spielarten präsentiert, belegen ein Erfolgsmodell.

Mehr als 120 000 Zuschauer haben die Produktionen für Kinder und Jugendliche verfolgt. Schon seit 2006 bietet „take-off“ Tanzunterricht in zehn Düsseldorfer Schulen. Das ganze Jahr über. Im Tanzhaus selbst können sich junge Menschen von null bis 18 Jahren beim Tanzen ausprobieren und zudem professionelle Choreographien erleben.

„Bei uns kommen sie direkt auf die Bühne. Das schafft Stärke, Motivation und Selbstvertrauen“, erklärt Müller die Idee. Beteiligt am Festival sind neben dem Tanzhaus auch das Junge Schauspielhaus, mit dem Kinderstück „Ente, Tod und Tulpe“, das FFT, mit Martin Baltscheits „Die Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor.“ und die Tonhalle.

Nach sechs Jahren Erfahrung kennt Projektleiterin Martina Kessel die Trends: „Tanz verbunden mit Akrobatik ist zurzeit angesagt.“ Wie so etwas aussieht, zeigt das Stück „Appris par Corps“ der Compagnie Un Loup pour L’homme für alle ab acht Jahren morgen im Tanzhaus. „Aber unsere Stärke ist natürlich, dass wir das Angebot breit halten. Es gibt nicht nur den einen Geschmack.“

So zeigt etwa Leandro Kees mit seinem Tanztheater „Trashedy“ (27., 28. November), welchen Einfluss unsere verschwenderische Lebensweise auf unsere Umwelt hat. Für Kinder ab vier Jahren versuchen die Tänzerinnen Alma Söderberg und Angela Peris Alcantud in „Alles“, sich tatsächlich in alles zu verwandeln: Sie sind Wasser, Erdbeben oder ein Hubschrauber.

Nicht nur die Macher loben den Erfolg des von Land und Stadt finanzierten Projektes. Die Heine-Uni hat die ersten fünf Jahre auf den Prüfstand gestellt und mit einer wissenschaftlichen Studie untersucht. Das Ergebnis: „take-off“ ermöglicht auch Schülern professionellen Tanzunterricht, die aufgrund ihres Umfeldes oder aus finanziellen Gründen kaum mit Tanz in Berührung gekommen wären. Die Schüler selbst sprechen sich klar für Tanz als Unterrichtsfach aus. Erschienen sind die Resultate der Studie im Beltz-Verlag unter dem Titel „Aufwachsen mit Tanz“.

Bei den Schulen in Düsseldorf ist das Interesse groß, so könnte Kessel weit mehr als die zehn beteiligten Schulen für das Projekt gewinnen. Das lässt der finanzielle Rahmen von insgesamt 336 000 Euro pro Jahr allerdings nicht zu. Müller aber ist sich sicher, dass „take-off“ über die Wirkung vor Ort weitere Früchte trägt: „Viele haben sich das Modell inzwischen bei uns abgeschaut.“