Schnibbel-Theater: Eine Erfolgsgeschichte auf Platt

Schnibbel-Theater: Eine Erfolgsgeschichte auf Platt

Das Schnibbel-Theater kämpft gegen den Verfall des Dialekts.

Düsseldorf. Monika Thelen kann sich noch gut daran erinnern, wie sie als Kind manchmal in der Altstadt war und ältere Menschen Platt reden hörte: "Ich fand das damals furchtbar", sagt die heute 60-Jährige. Inzwischen hat sich ihre Einstellung sehr geändert, sie steht seit 16 Jahren für das Schnibbel-Theater auf der Bühne, das einzige Düsseldorfer Mundarttheater, das in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert.

Das Ehepaar Gertrud und Günter Eberhard hatte es 1990 als Laientheater gegründet. Das heutige Team mit rund zehn Schauspielern und 30 Helfern sieht sich zwei sehr gegensätzlichen Entwicklungen gegenüber: Platt wird wie fast überall auch in Düsseldorf immer weniger gesprochen, dennoch hat das Interesse an den Aufführungen in den vergangenen Jahren rasant zugenommen.

Ein komödiantisches Stück pro Jahr studiert die Gruppe ein, das dann im Herbst im Pestalozzihaus in Flingern 13 Mal aufgeführt wird. Im Vorjahr waren die 2600 Karten am ersten Morgen vergriffen, sagt Ronald Vogel, der seit Jahren zum Ensemble gehört "An der Konzertkasse hatte sich schon lange vor der Öffnung eine große Schlange gebildet."

Weder den Erfolg noch den Niedergang des rheinischen Dialekts in der Landeshauptstadt können sich die beiden Schauspieler so richtig erklären. Bei Ronald Vogel war es früher zu Hause verpönt, Platt zu reden, er lernte es quasi auf der Straße. Später fing er dann an, sich Bücher über Mundart zu kaufen oder ging gezielt ins Uerige, um dort den Dialekt der alteingesessenen Düsseldorfer aufzuschnappen.

Auch wenn er als Ur-Düsseldorfer ein gespaltenes Verhältnis zur Domstadt hat, erkennt er an: "In Köln hat Dialekt eine andere Stellung als bei uns und gehört mehr zum guten Ton." Auch auf der Bühne werde dort mehr Platt gesprochen: "In Düsseldorf sind wir das einzige Mundarttheater - darauf sind wir stolz, aber andererseits ist es auch traurig."

Bei den Aufführungen geht es familiär zu. Ronald Vogel etwa mischt sich in den Pausen gern unters Publikum. Viele kommen etwas früher und essen für wenig Geld ein Flönzbrötchen. Monika Thelen: "Manchmal fragen Leute: Wann spielt ihr wieder, gibt et dann auch leckere Bütterkes un Bier?"

Das Ensemble besteht in Sachen Dialekt nur zum Teil aus Muttersprachlern. Andere wie Monika Thelen lernen mit jeder neuen Rolle etwas dazu. Bei Platt-Expertin Monika Voss, welche die Stücke auch ins Rheinische überträgt, gibt es regelmäßig Mundartschule. Schauspielerfahrung hatte Monika Thelen übrigens keine, als sie zum Schnibbel-Theater kam.

Eine Freundin hatte gesehen, wie sie auf einem Geburtstag bei einem Sketch mitgewirkt hatte, und sie angesprochen. Heute sagt sie: "Wenn man einmal Blut geleckt hat, will man immer wieder auf die Bühne."

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