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Schauspielhaus: „Ein etwas schaler Beigeschmack“

Schauspielhaus: „Ein etwas schaler Beigeschmack“

Nach der Trennung von Weber herrscht Ratlosigkeit — und leichter Optimismus.

Düsseldorf. Rainer Galke (42) schaut in die Luft. Er nimmt sich Zeit für seine Antworten. Und bleibt dennoch unbestimmt. Die Nachrichten vom gestrigen Tag müssen sich am Schauspielhaus erst setzen, so überraschend kamen sie.

Foto: Sebastian Hoppe

„Wir hatten gerade das Gefühl, dass mit Weber Ruhe auf der künstlerischen Seite eingekehrt ist“, sagt Galke, Schauspieler und Sprecher des 30-köpfigen Ensembles. Mit der Ruhe ist es vorerst vorbei — auch, wenn Webers Nachfolge bis 2016 in Günther Beelitz bereits gefunden ist.

Galkes Zurückhaltung rührt jedoch nicht daher, dass er nichts zur aktuellen Lage sagen möchte. Er ist schlicht ratlos. „Konsterniert, ein bisschen geschockt“ sei die Belegschaft nach der Versammlung am Mittwochvormittag gewesen. Dass der geschasste Weber die Bücher tatsächlich so miserabel geführt hat, wie es ihm zur Last gelegt wird, kann Galke kaum glauben. Über die Gründe des Intendantenwechsels hätte er gern mehr erfahren. „So hat es einen etwas schalen Beigeschmack.“

Dass am Schauspielhaus dennoch niemand zu verzagen droht, davon zeugt allein die Stimmung. Die Belegschaft wirkt geschäftig. In der Kantine herrscht launige Plauderei. Im Gespräch mit Galke kommt Eva-Maria Voigtländer, Chef-Dramaturgin der kommenden Spielzeit, an den Tisch.

„Wir kriegen das hin“, sagt sie zu Galke und ist schon wieder weg. Gemeint ist wohl die Saison 14/15. Denn nach einem Intendantenwechsel kann der ein oder andere Regisseur auch mal abspringen. Doch offenbar ist man in dieser Beziehung gut aufgestellt. Vorsichtiger Optimismus — auch der liegt hier in der Luft.

Optimismus, mehr noch: Hoffnung hegt auch Wolfgang Reinbacher, mit Unterbrechungen seit 1960 in Düsseldorf engagiert. Auch für ihn kam die gestrige Nachricht überraschend. „Künstlerisch sehe ich uns stark im Aufwind. Das Finanzielle kann ich nicht beurteilen.“ Günther Beelitz kennt er bereits aus seiner Intendanz in den 80ern. „Rein fachlich wüsste ich keinen, der einen besseren Überblick über das Theater hat. Seine Professionalität ist ausgezeichnet.“

Für die meisten Schauspieler bleibt jedoch wenig Zeit, sich mit der aktuellen Situation auseinanderzusetzen. Das Tagesgeschäft ruft. Heute versammelt sich das Ensemble jedoch noch einmal, um die Woche Revue passieren zu lassen. Gibt es Forderungen? Können überhaupt Forderungen gestellt werden? „Unsere Arbeit ist schließlich auf der Bühne — egal unter welchem Intendanten“, sagt Galke.

Gleichzeitig wünscht er sich für die Zukunft jedoch einen Intendanten mit langfristigem Plan — so, wie Staffan Holm es einer war, der sein Amt aufgrund eines Burnouts Ende 2012 niederlegen musste. Galke: „Es täte dem Haus gut, wenn ein möglichst strahlender Theatermann mit Visionen käme.“ Beelitz ist so ein strahlender Name, doch seine Intendanz ist eine auf Zeit. Darüber hinaus kann er den Spielplan 2014/2015 kaum mehr gestalten. Ihm bleibt nur eine Saison, die er selbst planen kann.

Im Freundeskreis des Schauspielhauses trifft der Name Beelitz auf Begeisterung. „Allein, dass eine solche Persönlichkeit bereit ist, an das Haus zu kommen, ist bemerkenswert“, sagt Vorsitzender Michael Stahl. Er wünscht sich eine Solidarisierung der Düsseldorfer mit ihrem Theater. „Das Haus wird derzeit wenig wahrgenommen, die Stadt hat sich etwas abgewandt.“