Schau im Weltkunstszimmer in Düsseldorf: Was ein Gänseblümchen fühlt

Wie fühlt das Blümchen beim Pfücken? : Was ein Gänseblümchen im Weltkunstzimmer fühlt

„Good bye cruel world, auf Wiedersehen, grausame Welt“ heißt die Schau zum Miteinander von Mensch und Tier.

Eine gut gemeinte Ausstellung über das Verhältnis von Mensch, Tier, Pflanze und Maschine wird heute im Weltkunstzimmer eröffnet. Wie so oft in diesem Milieu zwischen Ruine und weißem Kubus sind die Ideen der Kuratorin Janine Blöß besser als manche Ausführungen. Immerhin ist es ein ungewöhnlicher Versuch zu eruieren, was ein Gänseblümchen beim Pflücken spürt.

Versuch einer Interaktion zwischen Pilzbrut und Menschen

Katharina Mönkemöller besteht darauf, dass Pflanzen ein Empfindungsvermögen haben. Sie beweist es nicht, schließlich ist sie keine Pflanzenneurobiologin. Aber sie präsentiert sich auch nicht als Künstlerin, wenn sie 66 Tage lang Pflanzen studiert, Obst isst, Sukkulenten gießt und auf Zetteln festhält, was sie dabei denkt und empfindet. Dass die Kunst auch etwas mit visuellen Dingen zu tun hat, ist für sie nicht zwingend notwendig. Sasa Spacal bittet die Besucher in eine Kapsel, misst ihren Herzschlag, überträgt die Daten an die geschlossene Welt einer Pilzbrut und glaubt dabei an Interaktionen zwischen Pilzen und Menschen.

Doch keine Angst, es gibt auch tatsächlich erlebbare Inszenierungen in dieser Schau. Mathias Antlfinger und Ute Hörner, Professoren an der Kölner Kunsthochschule für Medien, haben nicht nur ihren Assistenten Thomas Hawranke, sondern zugleich die Studenten ihrer Klasse mitgebracht. Sie nehmen das Thema cooler, ironischer, wagen auch einen subversiven Humor.

Die Agrarindustrie hat den Schalthebel am Bauernschrank

Das beginnt gleich beim alten Bauernschrank, den die Profs ersteigert haben. Normalerweise sind derlei Möbel mit idyllischen Szenen gemalt. Hier aber gibt es Schrankbilder voller Hebel und Steuerungssysteme, bemühen sich doch die Bauern längst nicht mehr im Stall um das liebe Vieh, sondern benehmen sich wie Büroangestellte, die vom Schreibtisch aus den Ablauf im Stall steuern und nebenbei höchstens notieren, dass sie 40.000 Hühner betreuen.

KHM-Kollege Thomas Hawranke holt sich seine Tierwelt aus Computerspielen. Wir Betrachter können uns amüsieren, wie so ein fiktiver Affenhund auf der Autobahn den gesamten Verkehr zum Stoppen bringt. Er läuft über keine Umweltspur, sondern einfach vor den Autos daher. Vielleicht wäre dies auch eine Idee gegen einen Verkehrsinfarkt.

Manches wirkt ironisch, wenn Verena Friedrich das Bürogrün der immer wieder gleichen Zimmerpflanzen in einem Zeitrafferfilm zusammenfasst. Sissy Schneider und ihr Freund Giorgi Gedevanidze begnügen sich mit den „Domestizierungsmechanismen“ im Garten. Sobald sich ein Besucher ihrer Wandarbeit nähert, wird ein Bewegungssensor aktiv und lässt einen Rasenmäher rotieren. Das Gerät hat noch die Erde zwischen den Schneideteilen und demonstriert so seine Verbundenheit mit der Scholle.

Wer durch die Ausstellung schlendert, kann sogar etwas lernen. Daniel Wolter gibt nämlich in seinem Video eine Einführung ins „geophone Hören“. Wie er erklärt, hat er über spezielle Audiogeräte die Geräusche in einem Biosphären-Reservat in der Uckermark aufgenommen. Der Hörende ist erstaunt, was für Geräusche es in der scheinbar stillen Erde und im Moor gibt. Wolter hat ein Mikrophon umgebaut, um die akustischen Signale, die Schwingungen und Geräusche aufzunehmen. Je feuchter der Boden, desto eher hört man, was da kräucht und fleucht. Er übersetzt zugleich die akustischen Messungen in visuelle Bewegungen. Wolter promoviert in Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar.

Wer keine Ausstellung ohne Ölgemälde haben will, für den ist das Bild eines Franz von Assisi gerade recht. Es stammt von Hermann Weber, der dem Heiligen einen schwarzen Mantel der Trauer umlegt, weil die Einheit zwischen Tier und Mensch noch immer nicht klappt.

Info: Ronsdorfer Straße 77a, Vernissage heute 19 Uhr mit Performance. Bis 2. Februar, Donnerstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr

www.weltkunstzimmer.de