Russische Klangfluten in der Tonhalle

Tonhalle : Russische Klangfluten

Beim Sternzeichenkonzert unter Aziz Shokhakimovs Leitung beeindruckte Yevgeny Sudbin mit Medtners 2. Klavierkonzert.

Ein unbändiger musikalischer Strom, mit energiegeladenen Rhythmen, sich nicht selten überschlagend, das ist Medtner. Ein Klavierpart, der immer wieder nach vorne treibt, sich aufbäumt, Strukturen, virtuos aufeinander geschichtete Akkorde, sich in fast Schmerzliches auftürmende Harmonien, durchzogen von einer eigentümlich hermetischen Melodik, auch das ist Medtner. Ein Orchesterpart, der in seiner Formung wie ein Dickicht an intrinsischen Bezügen wirkt, kaum abebbt, immer kurz vor dem Schwelgerischen wieder in einen dichten Teppich mündet, das Klavier umschließt wie ein ungeheuer dunkler russischer Wald, ja das ist wahrhaftig Medtner.

Sein Klavierkonzert Nr. 2, geschrieben in c-Moll, ist beileibe keine leichte Kost. Doch wenn es, wie bei dem Sternzeichenkonzert in der Tonhalle am Freitag, von dem Geist dieser Musik trefflich spürenden Interpreten aufgeführt wird, hat es etwas zwar Ungeheures, vielleicht auch ein wenig Forderndes und doch auf seine eigene Art Faszinierendes. Manisch ist diese Musik vielleicht. Der 1951 verstorbene Russe Medtner wird in Deutschland recht selten gespielt, kein Wunder, dass sein zweites Klavierkonzert zuvor noch nie von den Düsseldorfer Symphonikern interpretiert wurde. Doch unter Aziz Shokhakimovs Leitung mit Yevgeny Sudbin am Klavier konnte eine Premiere dieses Werkes zu einem wahren Medtner-Fest werden. Natürlich birgt diese Musik Tücken, und dies merkte man den gut 40 Minuten auch sporadisch an. Doch der von Energie sprühende Usbeke Shokhakimov hielt die Zügel fest in der Hand. Der dreißigjährige wirkt so jung, doch sein Äußeres täuscht. Hier ist ein reifer Dirigent am Werk, der nichts glättet, dem das Verkitschen von Kantilenen genauso fremd ist wie Sudbin.

Der mit Feuer und zugleich viel Instinkt für das Bändigen des Unbändigen spielende russische Pianist war zum ersten Mal in der Tonhalle zu hören. Und sorgte sogleich für beachtlichen Beifall beim Düsseldorfer Publikum.

Allerdings gehörte das Konzert nicht Medtner allein. Zuvor erklang noch zum Hundertstem des Düsseldorfer Komponisten Jürg Baur sein „Sinfonischer Prolog“. Ein expressives Werk. Baurs Musik hat durchaus reizvolle Seiten, konnte aber leider nicht für derart viel Begeisterung sorgen wie Rachmaninows 2. Symphonie, die das große Finale des Abends bildete. Shokhakimov kann seinen Rachmaninow und die Düsys wissen ihm zu folgen. Spätromantische Melancholie trifft dann doch noch bei den meisten Zuhörern direkt ins Herz.

Das Sternzeichen ist noch am Montag um 20 Uhr in der Tonhalle zu erleben.

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