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Rudolf Buchbinder mit Beethovens „Diabelli-Variationen“ in Tonhalle.

Klavierabend in der Tonhalle : Wie Gassenhauer mit Walzer anbandeln

Pianist Rudolf Buchbinder spielte in der Tonhalle die „Diabelli-Variationen“.

Es ist schon ein Achtung gebietendes Unterfangen – das „Diabelli-Projekt 2020“ des österreichischen Pianisten Rudolf Buchbinder. Es bietet nicht nur die bekannten „33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli“ op. 120, das letzte große Klavierwerk Beethovens, das bei höchstem Schwierigkeitsgrad und einer Dauer von einer Dreiviertelstunde an den Pianisten maximale Anforderungen stellt.

Das Projekt enthält auch eine Auswahl aus den 50 Variationen, die der geschäftstüchtige Verleger und Walzer-Schöpfer Diabelli im Jahre 1821 von seinerzeit bekannten Komponisten erbat. Darunter waren Franz Schubert, Ignaz Moscheles, Johann Nepomuk Hummel, Carl Czerny, Conradin Kreutzer, Frédéric Kalkbrenner, Franz Liszt und Franz Xaver Wolfgang Mozart, die allesamt reizvolle Abwandlungen und Ergänzungen zu der eingängigen Walzermelodie ersannen.

Doch damit nicht genug: Ähnlich wie Diabelli forderte Buchbinder zeitgenössische Tonschöpfer auf, sich auf ihre Weise mit dem Diabelli-Thema auseinanderzusetzen. Elf noch lebende Komponisten kamen dieser Bitte nach, und so erlebte das Publikum in der Tonhalle zu Beginn des Abends ganz unterschiedliche kompositorische Sichtweisen, beispielsweise von Lera Auerbach, Toshio Hosokawa, Brad Lubman, Johannes Maria Staud, Max Richter, Tan Dun oder Christian Jost, der seine Variation mit „Rock it, Rudi“ überschrieben hatte.

Die Tonsetzer ließen sich allerhand Variationen einfallen

Mal tonal, mal jazzig, mal nah an der Vorlage, dann wieder weit weg von aller Tonalität – der Fantasie der Tonsetzer waren keine Grenzen gesetzt. Besonders einfallsreich wirkte zum Abschluss Jörg Widmann, der auf originelle Weise das Walzerthema mit diversen Gassenhauern der gehobenen Unterhaltungsmusik verbandelt hatte. Das alles bewältigte Rudolf Buchbinder in völliger Ruhe, bestechender Ausgeglichenheit, ohne pianistische Mätzchen und mit einem spieltechnischen wie interpretatorischen Vermögen, das immer wieder staunen ließ. Der Österreicher, dem im Laufe seines Künstlerlebens hohe Ehrungen zuteil wurden, muss offensichtlich seinem Alter noch keinen Tribut zollen. Fast zwei Stunden saß er in der Tonhalle am Klavier und wirkte bei der Zugabe (Impromptu As-Dur von Franz Schubert) noch so frisch wie zu Beginn des Konzertes. Den Musiker hält sein Lieblingskomponist Beethoven offenbar jung.