"Rocky Horror Show": Kultiger Horror-Spaß im Capitol

"Rocky Horror Show": Kultiger Horror-Spaß im Capitol

Die Neu-Inszenierung der „Rocky Horror Show“ gastiert bis 2. Oktober in Düsseldorf.

Düsseldorf. Die „Rocky Horror Show“ ist ein Dauerbrenner. Seit über 35 Jahren ist das Musical bereits Kult und spätestens seit der Filmversion von 1975 fast jedem, auch überzeugten Musical-Gegnern, ein Begriff. Die aufpolierte Version des rockgeladenen Bühnenspektakels über ein biederes Liebespaar, das nach einer Autopanne in die Fänge des exzentrischen, verruchten Frank N. Furter gerät, feierte am Mittwoch im Capitol-Theater Premiere.

Doch bei diesem Musical kann sich der Zuschauer nicht ruhig zurücklehnen, das wäre viel zu unglamourös. Denn die Zuschauer, so scheint es, sind Teil der Show. Wild verkleidete Fans in einer Mischung aus Transvestiten und Punks werfen an passenden Stellen Konfetti, malträtieren Sitznachbarn mit Wasserpistolen oder schmeißen Klopapierrollen durch den Saal. Sie singen die Musical-Hymnen mit und tanzen fast ekstatisch. Das animiert auch die etwas steiferen Zuschauer im Publikum nun doch leicht lasziv die Hüfte kreisen zu lassen.

Die Dirigenten des Abends bleiben aber die Darsteller, die mit ihren mörderischen Rockröhren-Stimmen die Ohren genauso bluten lassen, wie das berühmte Logo der Show. Aber im guten Sinne, denn das englischsprachige Ensemble begeistert tänzerisch und stimmlich.

Anrüchig und glamourös bis zum Schluss ist das rauschhafte Kult-Musical von Richard O´Brien, das 1973 uraufgeführt wurde. Verantwortlich dafür ist auch die energetische Band, die auf einer erhöhten Bühne über den Darstellern Kracher wie „Time Warp“ (Zeitschleife) schmettert. Das überzeugt das Publikum. Die temporeiche Neu-Inszenierung von Sam Buntrock hat sich der Zeit angepasst. So gibt es kein ausschweifendes Bühnenbild, sondern es werden Bilder auf einer Leinwand gezeigt.

Das macht aber nichts, denn unweigerlich wird man reingezogen in diesen Sog aus schriller Absurdität und den Spaß eines enthemmten Lebens. Da passt es irgendwie, dass es ein paar Grad zu warm ist im ausverkauften Capitol-Theater, wenn Chef-Transvestit Frank N. Furter nacheinander erst die verklemmte Janet und dann auch Brad mit billiger Masche verführt. Bei „Rocky Horror“ hat Lust eben keine Grenzen.

Der Erzähler in der ersten Woche ist Schauspieler Sky DuMont, später wird er von Klaus Nierhoff („Lindenstraße“) abgelöst. Wenn Du Mont zwischen den Rock-Nummern die Bühne betritt, muss er sich Beschimpfungen anhören. „Laaangweilig“ rufen vor allem die kostümierten Zuschauer. Klar, gegen die bunt gekleideten Männer auf der Bühne verliert er im dunklen Anzug. Doch auch diese Zwischenrufe gehören zum Programm. Den Zuruf eines Zuschauers, Du Mont solle sich „nackig machen“, lehnt er charmant ab.

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