Rinck-Galerie Düsseldorf: Abstrakte Bilder voller Überraschungen

Kultur Kompakt : Abstrakte Bilder voller Überraschungen

Lothar Götz zeigt seine Werke in der Galerie Petra Rinck an der Birkenstraße.

Lothar Götz (56) ist eine Ausnahme in der abstrakten Kunst der Gegenwart. Seine Gemälde sind absolut perfekt, in der Komposition genau durchdacht und dennoch voller Überraschungen. Abstrakte Kunst kann ätzend langweilig sein, wenn die Quadrate und Rechtecke stur durchgespielt sind. Aber nicht bei Lothar Götz. Er schafft es, ein Fleischrot zwischen Primärfarben einzuschieben und zu schauen, wie es sich behauptet. Es sind prächtige Farben, die er benutzt, die er jedoch plötzlich durch einen Silberlook ins Wanken bringt. Ob Maigrün oder Flaschengrün, je nach ihrer Nachbarschaft wirken sie anders.

Vielleicht war es kein Zufall, dass dieser Künstler am Beginn seiner künstlerischen Laufbahn visuelle Kommunikation in Aachen studiert hat, denn seine Farben wirken, als wollten sie zum Betrachter sprechen. Ihre strahlende Helligkeit überrascht. Andererseits sind seine Bilder schweigsam, schließlich hat er bei Gerhard Merz in Düsseldorf studiert, diesem klaren Kopf unter den Akademieprofessoren, der nie einen Strich zu viel gemacht hätte. Inzwischen lebt er in London, hat am Royal College of Art studiert und ist selbst Professor für Malerei in Sunderland.

Einen Einstieg in seine Kunst geben seine Zeichnungen. Sie beziehen sich auf konkrete Dinge, ein Zitat aus einem Buch oder Film, einen Song oder eine Beobachtung. Die Zeichnung „Roker Avenue“ beispielsweise hat den realen Ausgangspunkt in einer Promenade direkt am Strand. Es war ein dunkler, verregneter Tag, als er in einer Pension saß und aufs Meer blickte. Da ging plötzlich die Weihnachtsbeleuchtung an. Nun erinnern die Punkte an die Lampen, die sich plötzlich mit einer Zackenlandschaft verbinden. Am nächsten Tag entstand die Zeichnung.

In der Galerie Petra Rinck, wo er gegenwärtig ausstellt, erzählt er seine Vorgehensweise. Er pflege seine Abstraktionen klar aufzubauen, das Blatt in horizontalen und vertikalen Feldern einzuteilen und die Achsen festzulegen, um anschließend die Farben und Formen miteinander agieren zu lassen. Aber dann geschieht eben das, was ihn auszeichnet: Dann übernimmt die Intuition in der Konstellation der Dinge, in der Ordnung der Farben die Regie.

„If only“ nennt er die Ausstellung bei Rinck. Der Titel ist dem Lied „Breaking Glass“ von Hazel O`Conner entlehnt, das er mit 18 Jahren zum ersten Mal hörte. „If only“ wirkt wie ein Ergebnis ohne Ende, eine offene Konstellation. Das hört sich vage an, ist es aber nicht, denn Lothar Götz hat ein breites Wissen und Können. Er lässt sich noch heute vom Bauhaus inspirieren, reagiert aber zugleich auf die Architektur im Raum.

Info Birkenstraße 45, bis 3. Mai

www.petrarinckgalerie.de

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