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Rheinoper: Eine Bilderbuch-Operette

Rheinoper: Eine Bilderbuch-Operette

Die Rheinoper zeigt den „Zigeunerbaron“ von Johann Strauß nun auch in Düsseldorf.

Düsseldorf. Farbenfroh und heiter gibt sich der "Zigeunerbaron", den Chris Alexander für die Rheinoper inszenierte, der zuerst nur in Duisburg zu sehen war und nun auch in Düsseldorf ein breites Publikum ins Opernhaus lockt. Was mit Debussy und seiner Oper "Pelléas et Melisande" nicht gelang, funktioniert nun mit Johann Strauß und seinem ursprünglich als ernste Oper geplanten Zigeunerstück: das Haus voll zu bekommen.

Chris Alexander zeigt die Operette als bunten Bilderbogen, der allenfalls durch vorsichtig eingesprenkelte Ironie ein wenig an Naivität verliert. Die Lustigkeit, mit der Österreich-Ungarn kriegerisch gen Spanien marschiert, mutet heutzutage monströs an. Aber die naturalistische Darstellung macht die Produktion letztlich irritierender und interessanter als dies einer verklemmt antithetischen Bebilderung mit irgendwelchen historischen Kriegsgräueln gelungen wäre.

Die Handlung des "Zigeunerbarons" rangiert ohnehin an zweiter Stelle, die beschwingte Musik von Johann Strauß, dem Mozart des Wiener Walzers, macht das Stück erst zu einem zeitlosen Erfolgsschlager. Deshalb spielt auch die musikalische Leistung die größte Rolle. Und die ist bei dieser Produktion leider ziemlich unstet. Sängerisches Glanzlicht der Aufführung ist der Tenor Mirko Roschkowski in der Titelrolle. Er verfügt über ein leuchtendes Timbre und vokale Leichtigkeit. Stellenweise erreicht er die Eleganz und Grazie des jungen Nicolai Gedda.

Dass Intendant Tobias Richter nach der Pause vor den Vorhang trat und sagte, dass Roschkowski eine Erkältung noch nicht ganz überwunden habe und daher um Nachsicht bitte, überrascht. Denn er überstrahlt alle anderen. Ihm zur Seite steht eine stimmlich unelegante Morenike Fadayomi, die der Partie des Zigeunermädels Saffi eine dunkle Dramatik einhaucht, als würde sie schon mal für Brünnhilde oder Isolde üben.

Mehr Charme vermag Romana Noack als hübsche Tochter des dicken Schweinebauers zu versprühen. Und ebendieser Landwirt mit starker Affinität zum Borstenvieh wird erzkomödiantisch dargestellt von Udo Holdorf. Er demonstriert, dass diese mitunter altfränkisch erscheinende Operette durch karikaturhafte Überzeichnung an Witz gewinnen kann.

Mladen Tarbuk, der die Ouvertüre noch etwas träge dirigiert hatte, steigert sich im Verlaufe des Abends. Den Düsseldorfer Symphonikern fehlt es zuweilen an Spielfreude. An melodischen Höhepunkten steigern sie sich, sinken aber immer wieder ab in Routine.

Spieldauer 2 ¾ Stunden, eine Pause. Aufführungen am 10., 14., 19., 21. Oktober, 19.30 Uhr, sowie im Dezember und nächsten Jahr