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Rheinischer Kulturpreis für den Düsseldorfer Fotokünstler Gursky

Auszeichnung : Ehrung für den Düsseldorfer Fotokünstler Gursky

Andreas Gursky erhielt den Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung. Er spendet die 30 000 Euro.

Normalerweise sind Preisverleihungen langweilig. Nicht so am Montagabend in K 21, als Andreas Gursky den Rheinischen Kulturpreis 2018 der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland (30 000 Euro) entgegennahm. Da spielte der Geehrte tatsächlich die Hauptrolle, und alle Redner von Hausherrin Susanne Gaensheimer bis Ministerpräsident Armin Laschet machten mit. Laschet meinte sogar, die „monumentale Größe und Klarheit bis ins Detail“, die Gurskys Bilder ausstrahlen, hätte die Landesregierung auch gern. Wörtlich sagte er: „Wir arbeiten daran. Wir haben aber noch eine Menge Luft nach oben.“

Das Rheinmotiv stand im Mittelpunkt, hängt doch die zweite Version in Laschets Büro. Als Leihgabe übrigens. Es zeigt einen Abschnitt des Düsseldorfer Rheinufers, den der Künstler durch radikale Abstraktion verwandelt hat. Die Sensation am Abend: Gursky will das Motiv tatsächlich wiederholen, mit verdorrtem Gras allerdings.

Das neue Motiv hält das trockne Gras vom Supersommer fest

Die Erklärung liegt bei Ralph Goertz vom Institut für Kunstdokumentation und Szenografie (IKS), der seit zwei Jahren im Atelier des Künstlers filmen darf. Gursky akzeptierte seine Bitte, noch einmal den Standort am Oberkasseler Ufer gegenüber vom Kraftwerk aufzusuchen, wo „Rhein I“ und „Rhein II“ entstanden sind. Der Sommer war heiß und das Gras vertrocknet. Gursky nahm Leiter und langes Stativ mit, um eine richtige Bildhöhe zu haben. Sonst hätten ihm die Baumkronen im Wege gestanden.

Er fotografierte von der Abbruchkante des Damms. Er nahm den schmalen Fußweg am linken Ufer und in einer zweiten Fotofolge das Wasser auf. Aber da hakte es auch schon. Zunächst glaubte er, der Strom sei plan genug und mithin gut getroffen. Dann aber fand er den Kontrast zum ausgetrockneten Gras nicht groß genug. Das Bild entsteht, aber das dauert. Bei seinen Schilderungen ahnten die Zuhörer, wie klar seine Bildvorstellung ist, bevor er überhaupt mit den Aufnahmen beginnt. Und sie hörten von der unendlichen Mühe, bis aus der Metamorphose realer Bilder ein Kunstwerk wird.

Der Prozess der Bildbearbeitung geht über mehrere Monate. Gursky berichtet im Film von Goertz, wie er für eine Stadtlandschaft in Tokio 1400 „ungefilterte Einzelbilder“ aus dem Zug heraus aufnahm. Die Unschärfe im Bild ist also nicht digital erzeugt, sondern entspricht der Wirklichkeit. Das „Hauptbild“, von dem er letztlich seinen Ausgangspunkt nahm, wirkt für Normalmenschen unspektakulär. Soll es auch sein. Aber da begann Gurskys Arbeit. Von den 1400 Bildern siebte er die meisten aus, weil sie unzulänglich, unterbelichtet und in der Unschärfe nicht so waren, wie er es sich vorgestellt hatte. So wurden es 200 und in der finalen Auswahl 25 Bilder. Im Endergebnis seien „wahnsinnig viele Details zu entdecken“.

Gursky zeigte sich vor Hunderten von Zuhörern, Politikern wie Oberbürgermeister Thomas Geisel, Kollegen wie Laurenz Berges, Museumschefs wie Felix Krämer, lautstarken Studenten, aber auch Familienmitgliedern wie Ehefrau Annika und Tochter Cynthia geradezu offen. Er erwähnte seine erste Adresse an der Kirchfeldstraße. Dort habe seine Karriere Ende der 1970er Jahre in einer WG begonnen. Die Verhältnisse müssen ärmlich gewesen sein, denn sein Labor baute er sich so ein, dass er obenauf schlafen konnte. Eine raumsparende Bearbeitung im Computer gab es noch nicht.

Jeder Kulturpreisträger darf den Förderpreisträger bestimmen. So wählte Gursky seinen Meisterschüler Camillo Grewe. Er sei viel talentierter als er als Student. Dabei erinnerte er sich, wie er aus der Klasse von Tony Cragg geworfen wurde. Wörtlich sagte Gursky: „Ich kann nicht zeichnen. Ich kann nur Fotos machen. Es war ein schwerer Schlag.“ Tony Cragg, der ihn später als Professor an die Kunstakademie holte und der als ehemaliger Preisträger der Feierstunde bewohnte, erwiderte: „Andreas holte Negative aus seiner Tasche. Da sind meine Bildhauernerven durchgegangen.“

Das Preisgeld spendet Gursky. 25 000 Euro gehen an die Elterninitiative der Kinderkrebsklinik der Universität, 5000 Euro an Camillo Grewe für sein neues Studio in Köln.