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Reportage: Zeigt mal her, was ihr könnt

Reportage: Zeigt mal her, was ihr könnt

Beim Casting im Zakk: Der Verein Kabawil sucht junge Tanzwütige für eine neues Tanztheaterprojekt.

Düsseldorf. Rund 50 junge Leute warten im Zakk aufs Casting in den Disziplinen HipHop und Streetdance. Was der eine an Vorsprung durch Musicalschule oder Ballettunterricht mitbringt, macht der andere durch Authentizität wett. Petra (14) und Marlon (13) leben in einer städtischen Einrichtung. Sie sind spät, die Bahn war unpünktlich. Es ist ihr erstes Casting. Im Duo haben sie die Choreografie erarbeitet. Petras Vorbild: Justin Timberlake. Still und hoch konzentriert lassen sie sich an einem der Holztische nieder. Hier werden sie noch Stunden sitzen. Die Halle ist belebt von Kandidaten, die in Turnschuhen und bequemer Kleidung lässig neben Bergen von Rucksäcken und Jacken stehen oder sich warm tanzen. Aus den Boxen säuselt Airs "Moon Safari". Seit Gründung 2003 realisiert der Verein Kabawil jährlich Tanztheaterproduktionen mit Jugendlichen. Heute sollen Darsteller für die afrodeutsche Geschichte "Sankofa" rekrutiert werden. "Einige sind durch den derzeitigen Casting-Wahn bei uns gelandet", berichtet Kulturpädagogin und Kabawil-Gründungsmitglied Petra Kron. Die meisten Kontakte entstehen durch Workshops, die sie mit dem Tänzer Othello Johns in Jugendzentren oder Hilfseinrichtungen durchführt. Auch Marlon und Petra trainieren einmal monatlich mit. Möchtegern-Stars mit ganz bodenständigen Berufswünschen Die Clique vom Aktiv-Treff Wersten fand über Streetworker Markus Stüttgen beim Projekt zusammen. Was heute auch geschieht, man will befreundet bleiben. Ihre Berufswünsche sind bodenständig. Jasmin (16) - ihr Vater stammt aus Tunesien - arbeitet im Kindergarten. Men-Fung (18) aus China will Friseur werden. Der riesige Joel, 16 Jahre, liebt es, auf der Bühne zu stehen, "weil ich dort Menschen erfreuen kann". Seine Eltern unterhält er in bis zur Brust gezogener Cargo-Pants mit einer Chaplin-Nummer. Doch eigentlich will er Koch werden. Bis gestern Abend hat das sechsköpfige Team an der Choreografie geprobt. Joel freut sich: "Dabei sein ist alles. Wir geben alles." Othello ruft zum Warm Up. Darf man mitmachen? Aber ja. Die Halle fühlt sich wärmer an. Die Übungen sind schweißtreibend und für Outsider kaum nachtanzbar. Dann startet die Audition. 13.30 Uhr: Petra und Marlon absolvieren mit vollem Einsatz noch ein Training. Doch es wird beinahe 16 Uhr, bis Jury-Mitglied Othello lässig "Next" ruft. Sechs Stunden haben die Beiden auf diesen Augenblick gewartet. Kaum beginnt ihr Tanz, wirken sie größer. Selbstbewusster. Othello springt auf die Bühne, mischt sich ein, fordert mehr. Jetzt sieht man Petra endlich einmal lachen. Doch beide sind enttäuscht. Viel zu kurz, ihr Auftritt. Ein schlechtes Zeichen? Jetzt heißt es wieder "Warten". Erst in zehn Tagen kommt die Post von Kabawil. DER VEREIN KABAWIL Kabawil e.V. Das Zentrum für beziehungsorientierte Kulturarbeit für Kinder und Jugendliche mit individuellen Beeinträchtigungen wurde u. a. von dem Pädagogen und Choreografen Othello Johns sowie der Lehrerin und Kulturpädagogin Petra Kron gegründet. Casting Es wurden Darsteller für das Tanztheaterstück"Sankofa" gesucht. Die Koproduktion mit dem FFT soll 2007 im Juta aufgeführt werden. Bisher entstanden die Projekte "hungryfeet.de" und "Die dunkle Seite der Sonne". www.kabawil.de