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Reiner Tisch wird zehn Jahre alt

Reiner Tisch wird zehn Jahre alt

Illustre Gäste bietet Frank Küster beim Reinen Tisch im Uerige. Jetzt wird das erste Kneipen-Kabarett zehn Jahre alt.

Düsseldorf. Am Anfang Stand die Idee. Die hatte Frank Küster aus England mitgebracht: "Ich war immer fasziniert von Stand-up-Comedy. Da machten die Leute mit, es gab Zwischenrufe, eben ganz anders als in einer normalen Kabarett-Veranstaltung. In London finden an einem Abend 100 solcher Veranstaltungen statt. Ich habe mir gedacht, das muss doch auch bei uns funktionieren." So startete der Düsseldorfer mit dem ersten Kneipen-Kabarett in Deutschland. Vor zehn Jahren ging es zum ersten Mal am Reinen Tisch im Uerige rund. Am 5. Januar wird das Jubiläum gefeiert.

Dass die Show ein solcher Dauerbrenner werden würde, war nicht selbstverständlich: "Zur Premiere war es zwar voll, aber nicht ausverkauft." Geplant war zunächst, dass der Reine Tisch an jedem Montag stattfinden sollte. "Aber das war nicht zu schaffen", stellte der 47-Jährige bald fest. "Ich mache ja immer ein komplett neues Programm." So entschloss er sich, dass der erste Montag im Monat zum festen Termin werden soll.

Damit ist der zweifache Vater immer noch fruchtbarer als fast alle seine Kollegen: "Die touren zum Teil mehrere Jahre lang mit dem gleichen Programm. Ich mache davon zwölf in einem Jahr." Trotzdem sind ihm die Ideen noch nicht ausgegangen.

Inspiriert wird Küster natürlich auch durch seine Gäste. Wie viele das gewesen sind, daran kann er sich nicht mehr erinnern: "Es waren ja auch jede Menge Gruppen dabei." Aber das Stammpublikum bekam im Uerige oft Künstler zu sehen, die eine großen Karriere gemacht haben.

Allen voran natürlich Mario Barth. Der stand vier oder fünf Mal auf der Bühne. Küster: "Der war schon damals gut. Spätestens nach 30 Sekunden kam der erste Lacher." Inzwischen füllt Barth sogar Stadien. In diesem Jahr hat er vor 70 000 Zuschauern in Berlin gespielt - dafür gab es einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

Die Liste der hochkarätigen Gäste ist lang. Knacki Deuser machte am Reinen Tisch seine Späße ebenso wie Ausbilder Schmidt oder H.G. Butzko. Musikalische Höhepunkte waren unter anderem die A-Capella-Truppe Waschkraft, Malediva oder die Chanson-Sängerinnen Tina Teubner und Irmgard Knef. Auch der damalige NRW-Bauminister Michael Vesper sorgte für einen ungewöhnlichen Gesangsbeitrag. Zur Gitarre schmetterte er Songs wie "Cottonfields" oder "If I had a Hammer", setzte seine künstlerische Karriere aber dann nicht fort...

Einen Hang zur Skurrilität kann Küster nicht verbergen. Davon zeugt der "Willy-Millowitsch-sein-Vater-Gedenkorden" und die Tafel, die das Uerige ziert. Denn tatsächlich hat die gesamte Millowitsch-Dynastie in Düsseldorf ihren Ursprung. Der Vater des kölschen Volks-Schauspielers wurde nämlich im Gebäude der Hausbrauerei geboren.

Inzwischen hat sich der Reine Tisch zum Export-Artikel entwickelt. Jedenfalls wenn es Frank Küster selbst macht, wie in Ratingen und Opladen. Alle Versuche, das Kneipen-Kabarett zu imitieren, sind nach kurzer Zeit gescheitert. Das ist nicht zuletzt Verdienst von Marcel Mader und Andreas Hirschmann, die bereits seit neun Jahren das "Original-Reiner-Tisch-Tanzorchester" bilden. Küster: "Die wissen genau, wann der Tusch kommen muss." Und spielen mit dem Frontmann legendäre Lieder wie "Ich war niemals in Köln-Kalk." Sicher noch mindestens zehn weitere Jahre...