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Reeser Platz: Stahlbrücke für kriegsverherrlichendes Denkmal

Reeser Platz : Stahlbrücke für das 39er-Denkmal

Das kriegsverherrlichende Monument auf dem Reeser Platz soll einen Zusatz erhalten.

Der Siegerentwurf für eine zeitgenössische, kritische Kommentierung des 39er-Denkmals auf dem Reeser Platz liegt vor. Die unendliche Geschichte um den Platz und sein kriegsverherrlichendes Monument hat damit ein vorläufiges Ende. Die beste Idee ist eine Stahlbrücke über dem umstrittenen Denkmal, die diagonal vom Kinderspielplatz über das Biotop und den Park führt und das Monument scheinbar überspringt. Der Vorschlag der Kunstkommission fand inzwischen auch die Anerkennung der Bezirksvertretung 1. Die Realisierung wird auf 812 513 Euro beziffert.

Die Idee stammt von fünf kreativen und klugen Köpfen aus Düsseldorf und Köln, die als Ultrastudio firmieren und mit den Landschaftsarchitekten FSWLA zusammenarbeiten. Es sind die Künstler von Konsortium, Lars Breuer, Sebastian Freytag und Guido Münch. Architekt Christian Heuchel von O&O Baukunst ist Dozent für Kunst und Architektur an der Kunstakademie und Gründer von Rheinflügel. Eine wichtige Funktion hatte Jürgen Wiener, Kunsthistoriker an der Heinrich-Heine-Universität, der beste Kenner von Architektur als inszenierter Geschichte. Von ihm stammt der Titel der Skulptur: „Those who have crossed“, ein Zitat aus „Die hohlen Männer“ von T.S. Eliot.

Die Stahlbrücke durchkreuzt gleichsam den nationalsozialistischen Entwurf des auferstehenden Militarismus und gibt der historischen Architektur einen neuen Blickwinkel, bricht also die alten Ideale. Gleichzeitig wird der Reeser Platz, dieses Konglomerat aus strengem Vorplatz, Denkmal, Büschen, Bäumen und Spielplatz von der begehbaren Wanne der Stahlbrücke durchkreuzt. Das Wichtige aber ist, dass er das historische Denkmal nicht berührt.

Dies wird möglich, indem die frei schwebende Brücke auf fundamentierten Betonstützen steht, die in einem künstlich angelegten, begrünten Hügel versteckt sind. Schwingungsdämpfer im Bereich der Stützköpfe verhindern das Aufschaukeln des 14,50 Meter langen Kragarmes. Zur Brücke gelangt man über 24 Betonstufen, die Brücke selbst ist bis zu 6,40 Meter hoch und endet über dem Denkmal.

Die Vorzüge des Entwurfs sind eine klare Formsprache, die dem Ganzen einen völlig neuen Sinn gibt. Wer auf die Brücke geht, gelangt gleichsam von einem Zustand in den anderen, kann auf das Denkmal herabblicken, in die Baumkronen schauen oder die Umgebung in Augenschein nehmen.

Die Bezirksvertretung 1 (zuständig für die Stadtmitte) stimmte einstimmig bei zwei Enthaltungen für diesen kühnen Entwurf. Zugleich votierte sie bei Enthaltung der CDU dafür, dass die Verwaltung die Realisierung mit den Künstlern vorbereitet. Am 4. Juni befasst sich der Kulturausschuss mit dem Vorschlag, bevor der Stadtrat am 18. Juni darüber diskutiert.