Jazz: Rau-reifer Weihnachts-Jazz

Jazz : Rau-reifer Weihnachts-Jazz

Der schwedische Musiker Nils Landgren spielte mit Freunden in der Johanneskirche.

Draußen Aprilwetter, drinnen, in der Kirche, fröhlicher Gesang: „Let it snow, let it snow, let it snow“. Könnte in dieser Woche erhört werden in Düsseldorf. wo Nils Landgrens „Christmas With My Friends“ wärmt bei jedem Wetter, bereits seit zwölf Jahren, zum sechsten Mal in der Johanneskirche, mit viel Vorab-Applaus am zweiten Advents-Sonntag gleich mit zwei Konzerten hintereinander.

„Santa Claus is coming to town“ in Gestalt des Schweden mit seiner legendären roten Posaune. Landgren zaubert dazu mit seinem unverkennbaren raureifen Gesang eine besondere Atmosphäre, auch im spannenden Kontrast zu den oft engelsgleichen Stimmen von Sharon Dyall, Jeanette Köhn und Jessica Pilnas, denen der Star viel Raum gibt, begleitet von der Bassistin Eva Kruse, dem Saxofonisten Jonas Knutsson und dem Gitarristen Johan Norberg.

Evergreens, so immergrün wie ein Tannenbaum, aber mit wippenden, frischen Spitzen, klassische, auch skandinavische Weihnachtslieder: Tochter Zion, freue Dich - Christ is born in Bethlehem. Fröhliche Weihnachten, ohne Lametta. Dafür in bewegten Farben: Kurz in kaltes Blau getaucht, erscheinen Orgelpfeifen wie Eiszapfen, hinter den grauen Kirchenfenstern scheinen rote Lichter auf, Rücklichter des vorweihnachtlichen Stadtverkehrs vor den Kirchenmauern.

Er spiele auch gegen den Stress da draußen, erklärt Landgren. Gelingt ihm gut. Sehr gut. „Alter Schwede, ist ja Wahnsinn“ freut er sich über die Freude seines Publikums, seiner vielen alten und neuen Freunde. Und dann singen alle zusammen „Stille Nacht, heilige Nacht“, fast wie ein eingespielter Chor. Bevor es rührselig wird, verabschiedet sich Landgren mit „Imagine“ von John Lennon. Irgendwie auch ein Weihnachtslied, oder?

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