Junges Schauspiel: Rap und Sophokles

Junges Schauspiel : Rap und Sophokles

Junges Schauspiel inszeniert Antigone janusköpfig. Gelingt das?

Die Geschichte – das antike griechische Drama aus der Feder des Dichters Sophokles – um Antigone, die ihren Bruder Polyneikes trotz des Verbots von Kreon, dem König von Theben, betrauert und schließlich lebendig begraben wird, hat im Laufe der Geschichte unzählige Kreative und Denker inspiriert. An der zeitlosen Geschichte, die übrigens auch ohne die komplexe Vorgeschichte und weitere personelle Verwicklungen im Kern verständlich ist, scheint etwas an sich zu haben, dass es Menschen dazu motiviert, sich ihren ganz eignen Reim auf die Tragödie zu machen. Es gibt unzählige Adaptionen, eine Vielzahl an Opern, Schauspielmusik etwa von Mendelssohn, philologische und philosophische Anleihen und Auseinandersetzungen. Nicht zuletzt spielt der Stoff eine bedeutende Rolle im Deutschunterricht, wie der Autor dieser Zeilen seinerzeit selbst erlebt hat.

In die Tradition der Inszenierungen oder Bearbeitungen, die es über das Stück gibt, steht auch die aktuelle Version des Jungen Schauspielhauses unter der Regie von Liesbeth Cotlof. In der Übersetzung von Hölderlin wird das Drama in diesem Fall mit Rap- und Slam-Performances vermengt, beziehungsweise in brüchigen Stößen nebeneinandergestellt. Hierzu hat das Junge Schauspiel Aylin Celik und Uğur Kepenek aka Busy Beast eingeladen, um mit ihrem musikalisch -sprachlichen Beitrag über die Geschichte und deren Moral, um Widerstand gegen Willkür zu reflektieren.

Muss man das antike Drama und Rap miteinander vermengen? Nein. Wenn man sich aber, aus welchen Gründen auch immer – wir wollen hier nicht anfangen zu spekulieren –, dafür entscheidet, funktioniert es?

Die beiden Seelen der Inszenierung – vor einer gewölbten Leinwand mit Krieg und Geschichte heraufbeschwörenden Visuals – funktionieren an für sich jede auf ihre Weise schon. Selin Dörtkardes ist eine rebellische seelenvolle Antigone, Krean – hier eine Frau – Natalie Hanslik, Noëmi Krausz, Eduard Lind und der leider eher für Slapstick eingesetzte Charismatiker Jonathan Gyles plus „Chor“ ziehen in bisweilen tiefgründig gezeichnete Personenkonstellationen. Diese sind an sich sehr puristisch, mit leichten reißerischen Anklängen, die aber nicht Fremdkörper sind.

Die Rap-, Poesie und Musikeinlagen funktionieren für sich genommen auch sehr gut; mit bisweilen ganz passable tiefsinnigen Texten, einer gewissen Qualität, die man bei wohlklingenden Namen der Szene erwartet.

Doch die Mischung – immer wenn es in den 90 Minuten richtig tief zur Sache geht, sucht die Regie den Bruch. Baut man eine Stimmung auf, zerstört man sie wieder und vice versa. Wieso? Traut man Sophokles` Kraft nicht? Und ist eine reine politische Rap-Show aufzuziehen für das D´haus dann doch zu wenig Schauspiel? Wer weiß. Natürlich ist es legitim, sich Gedanken darum zu machen, wie man ein antikes Drama für Jugendliche ab 14 Jahren möglichst packend inszeniert. Doch hier stimmt die Chemie im Ganzen leider nicht.

Weitere Infos und Karten im Internet unter:

dhaus.de