"projektChor" singt Liszts Karfreitags-Kreuzgang in Andreaskirche

Konzert : Meditatives Konzert des „projektChors“ zu Liszts Karfreitags-Kreuzgang

Auch andere Werke standen auf dem Programm – und harmonierten bestens mit dem Hauptwerk.

Der „projektChor Düsseldorf“ ist schon längst nicht mehr ein auf ein Projekt festgelegter Chorverband. Er plant inzwischen bereits musikalische Aktivitäten bis ins Jahr 2025. In der bis auf den letzten Platz gefüllten St. Andreaskirche im Herzen der Düsseldorfer Altstadt führte dieser Chor nun Franz Liszts Karfreitags-Kreuzgang „Via Crucis-die 14 Stationen des Kreuzwegs“, auf. Ein Werk, das vom 1878 erlebten Karfreitags-Kreuzgang in Rom inspiriert ist, als ein Meditations-Werk in verschieden- möglichen Besetzungen konzipiert war. Der projektChor unter der Leitung von Stephan Hahn entschied sich bei dieser Aufführung für die Version Klavier (vierhändig), Soli und Chor.

Franz Liszt, tief-gläubiger Katholik, wählte eine für die Spätromantik sehr karge, asketische Tonsprache, ließ sich von gregorianischen Chorälen, Evangelien-Texten und protestantischen Chorälen inspirieren. Dem folgte die Interpretation des klanglich ausgereiften „projektChores“. Stephan Hahn führte die Sopranstimmen in klarer, schlichter Diktion, ließ dem (Bach nachempfundenen) Choral „O Haupt voll Blut und Wunden“ den tröstlichen Charakter, und verschmolz klanglich die solistischen Partien (mit Anna Saen und Erika Pagel, Sopran, Karin Wöpking, Alt, Taejun Sun, Tenor, und Michael Terada, Bariton) mit dem meditativen Klavierspiel des Duos Lusine Khachatryan und Vladimir Stoupel. Letzterer hatte den Konzertnachmittag mit der eindrucksvollen Solo-Interpretation von Skjrabins Klaviersonate Nr.1 eingeleitet und insbesondere mit dem Trauermarsch „Funèbre“ die emotionale Brücke zu Liszts Hauptwerk hergestellt.

Den Ausklang des Konzertes bildete das „Vater unser“ von Leos Janacek, einer Vertonung für gemischten Chor, Solotenor, Harfe (Esther Peristerakis) und Piano. Alle drei Werke atmeten die gleiche Inspiration und waren sich stilistisch sehr nahe. Dies ist in Bezug auf Franz Liszts Komposition um so erstaunlicher, als zu Lebzeiten niemand sich für dieses Werk interessierte. Es war wohl zu modern, kein Verleger wollte es drucken. Uraufgeführt wurde es erst fünfzig Jahre nach seiner Entstehung im Jahre 1929 in Budapest. Der Chor glänzte, der Applaus war langanhaltend.