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Programmkino: Die Filme in der Einzelkritik

Zwei NRW-Premieren : Die Filme der Programmkinos in der Einzelkritik

„Harriet - Der Weg in die Freiheit“ würdigt die tapferste Frau der US-Geschichte. Mit „Wir Eltern“ und „Gegen den Strom“ gibt es zudem zwei besondere Premieren.

Harriet – Der Weg in die Freiheit Eine filmische Würdigung der vielleicht tapfersten Frau der US-Geschichte war längst überfällig. Ein erzählerisch mutigeres, weniger konventionelles Biopic hätte die schwarze Freiheitskämpferin jedoch verdient. Harriet Tubman wurde als Sklavin auf einer Plantage um 1820 in Maryland geboren. Obwohl sie mit einem freien Schwarzen verheiratet war, plante ihr Besitzer sie zu verkaufen. Schließlich konnte sie mit Hilfe der Schlepperorganisation „Underground Railway“ nach Philadelphia fliehen. 1850 erfuhr sie, dass Kinder aus ihrer Familie verkauft werden sollten. Sie kehrte mehrfach in den Süden zurück, um ihre Familie zu befreien und auf der gefährlichen Fluchtroute nach Philadelphia zu bringen. Unter den Schwarzen erhielt sie dafür den Code-Namen Moses, bei 13 Missionen konnte sie 70 Sklaven in die Freiheit geleiten. Später arbeitete sie im Bürgerkrieg als Krankenschwester und Aufklärerin für die Armee der Nordstaaten. Schließlich widmete sie sich der Gleichberechtigung der Frauen. (Metropol, täglich 17 und 20 Uhr, Freitag 16 und 19 Uhr, Samstag 17 und 19 Uhr, Mittwoch um 20 Uhr im englischen Original mit Untertiteln)

Wir Eltern Die ganz normale Erziehungskatatrophe. Den Eltern sind die Kinder über den Kopf gewachsen und jetzt werden sie sie auch nicht mehr los. Und dabei glauben sie, alles richtig gemacht zu haben. Doch leider interessiert das die beiden erwachsenen Söhne nicht, denn schließlich ist das Elternhaus wie ein Hotel, nur eben umsonst.

Filmemacher Eric Bergkraut hat einen grotesken Familienreport gedreht, der zwar eine Spielfilmhandlung hat, aber von seiner eigenen Familie gespielt wird. Die verschmitzte pädagogische Nabelschau flechtet auch noch Tipps eines (echten) Familientherapeuten ein. Für Betroffene zum Fremdschämen und Mitschmunzeln. (NRW-Premiere am Dienstag um 20 Uhr im Atelier)

Das Beste kommt noch Fehldiagnose. Wie dem Leben einen Sinn geben, wenn nur noch wenig Zeit bleibt? Auf diese Frage findet das Kino meist erbauliche Lebenstraumerfüllungen oder Nonsense-Abenteuer. So geht es auch in dieser Dramödie des Regie-Duos Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte („Der Vorname“). Am Anfang steht jedoch eine Verwechslung, die zum menschelnden Vexierspiel dieses turbulenten Buddie-Movies führt: Cesar benutzt die Versichertenkarte seines besten Freundes Arthur bei einer Routine-Untersuchung im Krankenhaus. Kurz darauf wird Arthur zu einem Arztgespräch gebeten und man eröffnet ihm, dass er Krebs im Endstadium habe. Während Arthur (Fabrice Lucchini) glaubt, die Diagnose beziehe sich auf Cesar (Patrick Bruel), glaubt dieser wiederum Arthur habe nur noch wenige Monate zu leben. Dem vermeintlich sterbenskranken Freund zuliebe, beschließt jeder der beiden, dem Freund noch eine schöne Zeit nach dem Motto das Beste kommt noch zu bereiten. . .

Französisch leichte Komödie, deren Lebenssinnsuche auf dem Niveau von „Ziemlich beste Freunde“ rangiert. (Bambi, täglich um 16 und 19 Uhr)

Gegen den Strom – Abgetaucht in Venezuela Er steht auch heute noch auf der Fahndungsliste des BKA, doch das schlechte Steckbriefbild können die Fahnder nun erneuern: Thomas Walter spricht nach 25 Jahren im Untergrund über seine Erfahrung mit dem Gesuchtwerden und der linken Utopie. 1995 wurde er bei der Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf ein Abschiebegefängnis in Berlin überrascht und flüchtete. In Venezuela fand er schließlich Aufnahme und lebt dort in einer abgelegenen Berghütte, wo er ein Musikprojekt betreibt.

Filmemacher und Autor Sobo Swobodnik, der mit Walter verwandt ist, besuchte ihn 2019 in seinem Exil und lässt den Ex-Autonomen selbst zu Wort kommen. (NRW-Premiere mit Regisseur Swobodnik im Metropol um 20.15 Uhr)

Eine größere Welt Nach dem Tod ihres Mannes fällt Corine in tiefe Trauer. Um Abstand zu gewinnen, kommt der Tontechnikerin ein Job in der fernen Mongolei gerade recht. Dort soll sie O-Töne von schamanischen Ritualen der Nomaden für einen Dokumentarfilm aufnehmen. Doch während der Prozedur wird sie selbst Objekt magischer Kräfte. Der Trommelschlag lässt sie in Trance fallen und wie eine Wölfin heulen. Die Schamanin erklärt Corine, sie habe einen „Ruf“ erhalten und solle sich dringend zur Schamanin ausbilden lassen. Zurück in Frankreich ringt die irritierte Corine mit sich selbst, schließlich kehrt sie in die Mongolei zurück.

Basierend auf der tatsächlichen Geschichte von Corine Sombrun erzählt der Film von Fabienne Berthaud („Barfuß auf Nacktschnecken“) die spirituelle Entdeckungsreise als Überwindung der Trauer in der Hoffnung auf Kontakt zum Jenseits.(Bambi, täglich 16.30 und 19 Uhr, Montag 16 und 18.30 Uhr, Dienstag um 19 Uhr im französischen Original mit Untertiteln)

Undine Die „kleine Meerjungfrau“ ist erwachsen geworden. Den mittelalterlichen Mythos von „Undine“ verlegt Christian Petzold in das Berlin der Gegenwart und in die Seele einer modernen Frau. Undine (Paula Beer) arbeitet als Museumsführerin in Berlin und erklärt den Besuchern, dass der Name der Hauptstadt auf das Wort Sumpf zurückgeht. Von da ist es nicht mehr weit, die junge Frau in Verbindung mit jenem Wasserwesen zu bringen, dass erst durch die Liebe zur Seele findet, aber den Geliebten töten muss, wenn er sie betrügt. Genau das hat sie gerade privat erlebt: Johannes hat sie verlassen. Doch in dem Moment taucht Christoph (Franz Rogowski) im wahrsten Sinne des Wortes auf. Der sensible junge Mann ist Berufstaucher und hat schon von daher einen besonderen Sinn für die Welt unter Wasser. Doch dann läuft Undine Johannes wieder über den Weg. . .

Mitunter etwas zu symbolhaltig aufgeladen, gelingt Petzold eine Neuinterpretation der Undine-Story, die durchaus auch romantische Züge zulässt. (Cinema, täglich (außer Sonntag) um 16.30 und 19 Uhr, Sonntag nur 17.30 Uhr)