Premiere im Central Düsseldorf: Roger Vontobel inszeniert "Fight Club"

Theater-Premiere : „Fight Club“ feiert Uraufführung im Düsseldorfer Central

Roger Vontobel inszeniert den legendären Roman von Chuck Chuck Palahniuk als Schauspiel, Gewalt-Performance und Rockkonzert.

„Ich bin nicht Brad Pitt. Hatte aber auch mal eine Eigentumswohnung in der 15. Etage mit Blick über den Park und hohen Decken…“ So beginnt der Erzähler die Geschichte über den berühmten „Fight Club“. Von Anfang an wird im Schauspielhaus, in Roger Vontobels Theater-Inszenierung des Romans von Chuck Palahniuk (berühmter durch den Film mit Brad Pitt von 1999), klar gestellt: Wir sind nicht Hollywood, verzichten auf Pop-Glamour, sondern sind ein Stadttheater, das sich dem Phänomen der Radikalisierung junger Menschen und ihrer blutigen Selbstzerstörung nähern will.

Das Stück ist Schauspiel, Gewalt-Performance und Rockkonzert

Im Film wird der Herausforderer Tyler gespielt von Brad Pitt, damals auf dem Zenit seines Sixpack-Sexappeals, hier ist es mit Wolfgang Michalek eher ein bulliger Untergrund-Macho mit Flipflops. Der Protagonist im Film ist ein namenloser Erzähler (gespielt von Edward Norton). Vontobel nennt ihn Eddy Runtler (hier: Kilian Land). Vontobel hat für seine Mischung aus Schauspiel, dröhnender Gewalt-Performance und röhrendem Rockkonzert zwei klasse Typen engagiert, die sich bis zum finalen Schuss verausgaben.

Anfangs betritt dieser schmächtige, orientierungslose Jung-Manager in grauer Hose und weißem Hemd (an der Hand eine Plastiktüte mit Bierdosen) die Spiel- und Prügelfläche: eine quadratische Plattform, die einem blankgeputzten Boxring gleicht (Bühne: Fabian Wendling). Über ihm schwebt ein Glaskäfig, in dem sich Eddy später an blutigen Gewaltorgien berauschen und in Kübeln von Theaterblut baden wird.

Zunächst aber erzählt der gesichtslose Eddy, mit dem jeder sofort Mitleid hat, von seinem Job als Rückruf-Koordinator eines Automobilkonzerns, von seiner Luxus-Immobilie mit Fußbodenheizung in der 15. Etage. Preist wie ein Sternekoch seine zahllosen Senfsorten an, erklärt detailliert die Unterschiede in Geschmack und Farbe, bis er endlich über seine „Einweg-Freundschaften“ im Flugzeug plaudert. Heitere Groteske und Kalauer dominieren in den ersten 30 Minuten des zweistündigen Theaterabends. So lange redet sich Eddy – von Job und Hierarchie ausgelaugt – mit Belanglosigkeiten warm.

Erst dann offenbart er seine quälenden Schlafstörungen und Selbsthilfegruppen für Krebskranke, in denen er Trost für seine miese Existenz sucht (Nach dem Motto: Wie gut geht’s mir im Vergleich mit den vom Tod Gezeichneten!). Endlich kommt Tyler Durden ins Spiel, den Eddy zufällig im Flugzeug (oder war es am Strand?) getroffen hatte. Das alles begleitet von röhrendem Rock und Soul einer Live-Band mit Sängerin (Sonja Beißwenger), die gleichzeitig Marla Singer spielt, die von beiden Männern sexuell begehrt wird.

Tyler, zunächst mit Sonnenbrille und Zottelperücke eines Blumenkinds, führt den an Bedeutungslosigkeit leidenden Eddy in eine Welt von gewalttätigen Spielen und grausamen Schlägereien ein, will ihm seine „Männlichkeit“ zurückgeben und ruft das Projekt „Fight Club“ aus. „Hau’ mir in die Fresse!“ ermuntert ihn Michalek – halb Zuhälter, halb Mephisto. Schlagen, Boxen, Treten. Erst wenn sich Eddy erschöpft und blutüberströmt am Boden krümmt oder sein Leib an die Glaswand presst, stöhnt er vor Schmerzen und Glückseligkeit. Und dreht mit an der Gewaltspirale von Tyler, der schließlich das „Projekt Chaos“ verkündet. Dies wiederum gleicht einer terroristischen Selbstmord-Zelle.

Wie alltägliche Menschen freiwillig in die Hölle gehen – das beleuchtet die Inszenierung. Allerdings quält sich die Performance über Strecken hinweg, in denen viel gelabert wird. Zudem bleibt unklar, wie die beiden Figuren mehr und mehr zu einer verschmelzen.

Überraschend und seltsam pädagogisch wird es, wenn Tyler plötzlich aus dem Teufelsspiel und seiner Rolle als Höllenwärter aussteigt und Leitartikel über die zunehmende Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft verkündet. Das hindert Eddy nicht daran, sich am Ende die Kugel zu geben.

Fazit: Aggressive, mächtig dröhnende Gewalt-Performance mit starken Darstellern und Momenten und vereinzelten, lyrischen Einsprengseln. Leider auch mit pädagogischem Zeigefinger, der aufgesetzt wirkt. Und: 30 Minuten zu lang!

„Fight Club“ nach dem Roman von Chuck Palahniuk im Central, Große Bühne, Worringer Str. 140, nächste Aufführungen am 22.5., 7.6., 12.6., 28.6. und 3.7. um 19.30 Uhr. Karten unter 0211 36 99 11, mehr Infos im Netz unter:

www.dhaus.de

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