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Pianistin Lise de la Salle: „Nicht eine überflüssige Note“

Pianistin Lise de la Salle: „Nicht eine überflüssige Note“

Porträt: Die 19-jährige französische Pianistin Lise de la Salle spielt am Donnerstag in der Tonhalle Mozart und Prokofjew in einem Recital.

Düsseldorf. Mit großen, graugrünen Augen blickt Lise de la Salle in die Welt, und es scheint, als würde die französische Pianisten mit ihren 19 Jahren den Dingen besonders tief auf den Grund gehen. Lise de la Salle erscheint wie eine junge Intellektuelle, und davon zeugt auch ihr durchdachtes Klavierspiel. Gerade hat sie eine neue Doppel-CD mit Werken von Mozart und Prokofjew aufgenommen, ein Recital, mit dem sie auch am Donnerstag, 20 Uhr, in der Tonhalle auftritt. Erhebliche Gegensätze vereint Lise de la Salle in dem Programm: Hier den filigranen, heiteren Mozart, dort den teils brachial und perkussiv erscheinende Prokofjew. Für Lise de la Salle besteht die Unterschiedlichkeit zwischen den beiden Komponisten allerdings nur auf den ersten Blick. Es gebe zwischen Mozart und Prokofjew manche Parallele, erklärt die Pianistin im Gespräch mit unserer Zeitung. "Die Kompositionen von Mozart und Prokofjew sind sehr clean", sagt sie. Der Tonsatz sei bei beiden sehr klar, und es gebe nicht eine überflüssige Note. Auch dass sowohl der Salzburger Klassiker als auch der russische Frühmoderne als Pianist Karriere machte, schlage sich im Klaviersatz nieder, der für das Instrument geradezu ideal sei.

Neben Musik sind auch Malerei und Theater ihre Leidenschaft

Zu ihren musikalischen Vorbildern gehören nicht nur Pianisten wie etwa Horowitz, Richter und Gould, sondern auch Sänger: Maria Callas und Elisabeth Schwarzkopf. "Ich bin mit Gesang groß geworden", sagt Lise de la Salle, die aus einer Familie stammt, der seit mehreren Generationen Musiker entstammten (eine Ur-Ur-Großmutter aus Russland habe einst Tschaikowsky kennengelernt). Mit der menschlichen Stimme könne man alles ausdrücken, sagt de la Salle und bewundert bei Callas die ungeheure Expressivität und bei Schwarzkopf die hohe Brillanz und Reinheit. Die Familie ist insgesamt künstlerisch orientiert, ihr Großvater etwa besaß eine Galerie im südfranzösischen Vence, wo er in den 60er Jahren die erste Ausstellung der "École de Nice" präsentierte. "Malerei ist auch eine von meinen Leidenschaften", sagt Lise de la Salle. Zurzeit lese sie die Biografie von Cezanne. Auch das Theater suche sie gerne auf, vor allem, wenn Moliere auf dem Programm stehe. Sich ausschließlich für Musik zu interessieren sei ihr fremd: "Musik entstehen nicht im Laboratorium, in ihr steckt doch reales Leben!"

Lise de la Salle: Musik von Geburt an

Vita Die französische Pianistin Lise de la Salle kam am 8. Mai 1988 in Cherbourg zur Welt. Ihre Mutter war Chorsängerin, ihre Großmutter Klavierlehrerin. Lise de la Salle begann mit vier Jahren, Klavier zu spielen. Ihr erstes Radio-Konzert gab sie mit neun Jahren, ab elf studierte sie Musik. 2000 gewann sie den ersten Preis beim "7. Internationalen Wettbewerb für junge Pianisten". Schon mit 17 nahm sie ihre dritte CD auf.