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Pianistin Evgenia Rubinova: Gleiten, schweben, leuchten

Pianistin Evgenia Rubinova: Gleiten, schweben, leuchten

Die 29-jährige Pianistin Evgenia Rubinova begeisterte in der Tonhalle mit Schumann und Rachmaninov.

Düsseldorf. Wenn Evgenia Rubinova die Bühne der Tonhalle betritt, dann kommt nicht einfach irgendeine 29-jährige, preisdekorierte Pianistin aufs Podium. Vielmehr schwebt eine aparte usbekische Schönheit zum Flügel, lächelt gewinnend, streicht mit einem Tuch sanft über die Tastatur und verströmt melodisches Glück. Musik ist für Frau Rubinova weniger eine Frage der Form, es geht ihr auch kaum um Entwicklungsprozesse und nicht wirklich um Kontraste oder Konflikte. Sie gleitet durch Schumanns halb verrückte Kreisleriana, als gäbe es da gar keine abrupten Stimmungswechsel zwischen exzentrisch sich überschlagender Erregung und schwereloser Trance. In der Nr. 2 etwa unterbricht Schumann seine innige Lyrik einmal keck-bachisch, etwas später dann würdevoll-bewegt. Rubinovas versöhnende Hand eint solche Extreme beinahe lapidar. Ihre Freude am musikalischen Fluss verwandelt sogar die beklemmende Windstille der "sehr langsam" zu nehmenden Nr. 6 unzutreffend in ein fröhliches Schunkellied. Und ob man das sinnlich schweifende Seitenthema aus Skrjabins h-moll-Fantasie wirklich so unauffällig durch die Hintertür einführen sollte, sei dahingestellt. Was an diesem Abend jedoch zählt, ist die ganz eigentümliche kontrapunktische Durchdringung, die sich immer wieder in Rubinovas schöne melodische Bewegung mischt. Wenn sie will, dann spielt sie wirklich mit beiden Händen. Töne treten dann in ein Beziehungsgeflecht, Stimmen und Figurationen reiben sich diskret aneinander. So rettet die Pianistin Rachmaninovs Moments Musicaux sowohl vor sentimental-weinerlichem Weltschmerz wie auch vor kaltschnäuziger Virtuosen-Show. Traumsicher trifft sie die rhythmischen Verschiebungen etwa des b-moll-Stückes. Rastlos wirbelnde Sextolen (Nr.2, Nr. 4) nuscheln bei Frau Rubinova nicht undurchsichtig herum, sondern zeigen sich als klar konturierte musikalische Gestalten, aus denen ganz unaufdringlich Nebenstimmen erwachsen. Und wer, bitte schön, kann das superschwere, majestätisch donnernde Schlussstück so markant und leuchtend zum Klingen bringen wie sie? Angesichts solchen Könnens sollte die Wahl-Frankfurterin vielleicht doch überlegen, ob sie die altmodische Unart, zusammengehörige Töne auseinander anzuschlagen, wirklich nötig hat. Damit zupft sie selber ein paar Blätter aus dem Lorbeerkranz, der ihr gebührt.