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Pianist Herbert Schuch geht an seine Grenzen

Pianist Herbert Schuch geht an seine Grenzen

Der Rumäne Herbert Schuch begeistert in der Tonhalle mit Beethovens „Emperor“. Bei ihm strahlt die Schönheit des Idylls.

Düsseldorf. Der 33-jährige Herbert Schuch gehört zu den wenigen Pianisten seiner Generation, denen man beim Beethoven-Spiel die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Wesen der Werke anmerkt. Kürzlich hat er eine überaus differenzierte Aufnahme des 3. Klavierkonzerts beim Label Oehms Classics vorgelegt, nun ist er Solist beim Gastspiel der Brüsseler Philharmoniker in der Tonhalle bei der Aufführung von Beethovens Fünftem Klavierkonzert mit dem majestätischen Beinamen „Emperor“.

Schuchs Qualitäten kommen weniger an den kraftvollen Stellen zum Vorschein als vielmehr an lyrischen Stellen. Die Diskant-Melodien im Kopfsatz macht er zum ausdrucksvollen Höhepunkt.

Da bringt er den Flügel zum Singen. In diesem Moment ahnt man bereits, dass das folgende Adagio, einer der anrührendsten langsamen Sätze in der Welt der Wiener Klassik, zum Klang-Ereignis werden wird. Und Schuch enttäuscht nicht. Sein klangsinnliches, aber nie süßlich schmeichlerisches Spiel hebt die Schönheit dieses Idylls hervor. Das wirkt nicht aufgesetzt, sondern rein und wahrhaftig.

Dass Schuch auch Bravouröses meistern kann, zeigt er im raschen Kopfsatz und mehr noch in der Zugabe der sogenannten Glöckchen-Etüde „La Campanella“ von Franz Liszt, ein großer, schwierig zu spielender Reißer über ein Thema von Paganini. Nun ist Schuch kein Über-Virtuose wie Arcadi Volodos oder Martha Argerich. Trotz stupender Technik geht der musiksensible Rumäne an seine physischen Grenzen. Aber Schuch nimmt durch einen neuartigen Schattierungsreichtum und beachtliche Transparenz für sich ein.

Die Brüsseler Philharmoniker unter Leitung ihres Chefdirigenten Michel Tabachnik begleiten den Pianisten selbstbewusst und klangmächtig. Es entspinnt sich ein reger Dialog auf Augenhöhe. Die Belgier haben weiche, fast cremig geschmeidige Streicher. Die schmeicheln sich besonders schön ins Ohr an emotional aufgeladenen Stellen der Symphonischen Tänze aus Leonard Bernsteins West Side Story.

Das Orchester kann aber auch mit kernig zupackendem Spiel auftrumpfen. Tabachnik erweist sich als überlegener Zeremonienmeister. Sein straffes Regiment zahlt sich in der bizarr-schwungvollen Schluss-Nummer aus, „La Valse“ von Ravel, jenem karikaturhaften Abgesang auf den Wiener Walzer, bei dem die Gesellschaft trunken und blind vor Eitelkeit dem Ersten Weltkrieg entgegen taumelt.