Photo Weekend in Düsseldorf: „Auf der Kö stehen mir zu viele Autos“

Photo Weekend in Düsseldorf: „Auf der Kö stehen mir zu viele Autos“

Rund 30 Fotografen werden am Samstag und Sonntag gezeigt. Unser Tipp: die Düsseldorfer.

Düsseldorf. Fotofans, aufgepasst! Am Samstag und Sonntag ist Photo Weekend in Galerien, Theatern und Hotels. Besonders empfehlenswert sind die Schauen von drei Düsseldorfer Fotokünstlern, die in ihrer Heimatstadt definitiv bekannter sein sollten.

Gudrun Kemsa (Jg. 1971) lebt in Düsseldorf und hat eine Professur für „Fotografie und bewegte Bilder“ in Krefeld. Ihr Thema sind Menschen in Metropolen — in Berlin oder in New York. Auf die Frage, warum sie als Düsseldorferin ihre Kamera nicht an der Königsallee zückt, kommt eine entwaffnende Antwort: „An der Fifth Avenue darf man nicht parken. Wenn ich auf der Kö fotografieren würde, hätte ich immer nur Autos vor mir. Das ergibt kein gutes Bild.“

Sie liebt außer dem freien Blick auf Prachtstraßen auch das harte, grelle Licht, das in Amerika einfach anders ist als im Rheinland. „Ich fotografiere mittags und nachmittags bei intensivem Licht.“ Sie zeigt Passanten, wie sie an Glaspalästen stehen, an Haltestellen warten oder Auslagen anschauen. Ihre Serie „Städtische Bühne“, an der sie seit 2006 arbeitet, wird anschließend im Rheinischen Landesmuseum Bonn zu sehen sein.

Frauke Dannert (Jahrgang 1979) hat zwar keine Professur, aber sie wird mit Förderpreisen und Stipendien überhäuft. Die jüngste Auszeichnung ist der Audi Art Award, ein Geldpreis für 10 000 Euro. Jurymitglied Thomas Struth lobt ihre „neue Art der Fotokunst“.

Dannert kommt aus einer Bildhauerklasse an der Kunstakademie, hat sich aber nie sonderlich für die Herstellung dreidimensionaler Objekte interessiert. Sie liebt Betonbauten der 70er und 80er Jahre, die so schwer und wuchtig wirken, dass die Allgemeinheit sie eher ablehnt.

In Dannerts Aufnahmen verfremden diese Motive. Die Künstlerin benutzt dazu eine altmodische, analoge Kamera, in die man noch die Filmspule einlegt und den Film mit einer Kurbel weiterdreht. Das alte Schätzchen hat jedoch einen Vorteil: Der Film lässt sich arretieren, so dass die Filmrolle auf Wunsch stehenbleibt. Dadurch sind Mehrfachbelichtungen möglich.

Frauke Dannert erklärt: „Ich halte die Kamera in die Höhe, wenn ich Betonbauten fotografiere. Und bei der zweiten oder dritten Aufnahme auf demselben Negativfilm drehe ich die Kamera. Dadurch gewinne ich abstrakte Überlagerungen.“ Der fotografische Blick in den Himmel bringt dem Motiv Helligkeit und Leichtigkeit. Die Brutalismusbauten scheinen dadurch wie verwandelt.

Michael Koch (Jg. 1973) ist ein klassischer Fotograf. Er findet seine Motive eher zufällig. Ein aufgerissenes Kopfkissen liegt auf dem Boden, und die Sonne bescheint die Füllung. Ein ausgestopfter Kakadu steht in einem Antiquariat, ein Bienenstock ist im Naturhistorischen Museum aufgestellt und zwei Haselnüsse fallen dem Fotografen vom Baum vor die Füße. Immer zückt er die Kamera, hilft mit Licht nach und erzeugt Fotos voller Schönheit und Charme. Außerdem lohnt sich ein Blick auf die Bilder der Düsseldorfer Michael Dannenmann (Interconti) und Anna Vogel (Galerie Conrads).

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