photo+ Die Höhepunkte der neuen Düsseldorfer Foto-Biennale

Noch bis Mitte Juli läuft die Biennale Photo+. Beteiligt sind Museen und Galerien. Eine Auswahl.

 Ein „kritisches Bouquet“, angerichtet von Natalie Czech.

Ein „kritisches Bouquet“, angerichtet von Natalie Czech.

Foto: Natalie Czech/© Natalie Czech, VG Bild-Kunst Bonn, 2024

Mit der Biennale photo+ will Düsseldorf sein Profil als Foto- und Medienstandort schärfen. Bis zum 14. Juli konzentrieren sich Museen, Galerien und Off-Räume auf Fotografie und Video. Die Jury unter Rupert Pfab und Pola Sieverding hat erstmals auch ein Motto gewählt: „On Reality“. Wir geben Tipps zu einigen Ausstellungen.

Die Düsseldorfer Szene präsentiert sich brillant. Carmen Knoebel öffnet ihr Foto- und Video-Archiv zum „Ratinger Hof“, den sie vor 50 Jahren mit Ingrid Kohlhöfer aus einer biederen Bierstube in einen Szeneladen verwandelte. Es war die Zeit von „Deutschland im Herbst“ mit Polizei vor der Tür und Künstlern wie Palermo, Polke, Stoja und Ruff im Innern. Die leicht schummrigen, analogen Farbaufnahmen der Zeit stammen von 1977 bis 1979.

Der US-Fotograf Allan Sekula (1951–2013) ist eine Entdeckung für Düsseldorf. Seine Schwarz-Weiß-Serie aus den 1970er-Jahren hat einen besonderen Rhythmus. Mit seiner Kamera stand der Amerikaner aus San Diego auf der obersten Treppe eines Werksgeländes und hielt die aufsteigenden Menschen fest, die Feierabend haben. (Konrad Fischer).

Kurzweilig geht es bei Marge Monko zu. Die Fotografie-Professorin in Tallinn erzählt von verlorenen Handschuhen auf den Straßen ihrer Heimat. Paul Kuimet, ebenfalls Tallinn, präsentiert Fotocollagen nach dem Muster der Dachstruktur des Crystal Palace auf der Weltausstellung in London 1851 (Cosar).

Evelyn Bencicova aus Bratislava, Absolventin für Neue Medien an der Universität in Wien, lässt die Grenzen zwischen Realität und virtueller Realität, Erinnerung und Imagination verschwimmen (Grölle).

Thomas Ruff generiert die visuelle Schönheit der Mathematik auf Veloursteppichen. (Konrad Fischer) Seine Meisterschülerin Stefanie Pürschler präsentiert ihre fotografierten Architekturmodelle in den Innenseiten kleiner Pappschachteln(Baustelle B 41). Albrecht Fuchs erzeugt ruhige, stoische Porträts seiner Künstlerkollegen (Van Horn).

Die Becher-Klasse ist mit Claudia Fährenkemper bei Swetec und Katharina Mayer bei Mook vertreten. Berit Schneidereit, Meisterschülerin von Gursky, liebt die Dunkelkammer, wo sie Fotopapier unterschiedlich belichtet und ausdruckt. (Sipgate) Gabriele Rothemann, Meisterschülerin von Schwegler, heute Professorin für Fotografie in Wien, erzeugt in ihren Collagen irritierende Bilder, die tote Tiere scheinbar wieder lebendig werden lassen (Parduhn).

Von einer neuen Seite zeigt sich das Polnische Institut. Nicolas Grospierre, Gewinner des Goldenen Löwen auf der Architektur-Biennale 2008 in Venedig, zeigt eine Installation von Bildern, die an eine Spirale erinnern.

Das Lustigste stammt von Helmut Schweizer, der sich in frühen Aufnahmen mit nackter Brust vorstellt, die er bemalt, sodass sie wie ein Busen ausschaut (Boa Basedonart).

Das Überraschendste liefert Johannes Raimann, der mit Silizium-Oxid-Wafer arbeitet, dem Rohmaterial für die Herstellung von Computerchips, und in diese Discs seine Fingerabdrücke notiert. In diesem Off-Raum zeigt auch Gastprofessorin Sophie Thun eine Figur, die ihr Alter Ego sein könnte: eine Doppelbelichtung, die aus einem nicht ganz ausbelichteten Foto und einem Fotogramm besteht (Aura).

Tief hinabsteigen muss der Besucher, wenn er Martina Sauters Foto-Collagen, Christine Erhards dekonstruierte Räume oder die Farbabstraktionen des russischen Künstlers Viacheslav Muradow bewundern will, der Straßenszenen mit großem Objektiv heranzoomt und so unscharf stellt, dass sich die Realität in Farben auflöst. (The Pool)

Zum Schluss ein Blumenstrauß. Unter diesem Thema stellt der Maler Hartmut Neumann Sinnbilder für Pracht und Vergänglichkeit des Seins zusammen, wobei auch Natalie Czech Arbeiten ausstellt und Tim Berresheim seine computerbasierten Fotos zeigt (Beck & Eggeling).

Info An diesem Freitag gibt es im K21 um 18 Uhr ein Gespräch mit Kathrin Becker und Anja Schürmann zu Fragen der zeitgenössischen Kunst. Eine Broschüre mit allen Veranstaltungen liegt gratis an allen Standorten aus.

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