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Otto Piene im Hetjens-Museum: Ein Kopf aus Ton für Ikarus

Otto Piene im Hetjens-Museum: Ein Kopf aus Ton für Ikarus

Otto Piene eröffnet am Freitag seine erste Keramik-Ausstellung. Der Zero-Künstler zeigt sich als Schöpfer irdenschwerer Ware.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Edgar Quadt gehört zu dem neuen Berufsbild eines "Art Investors", er fungiert als Agent und als Sponsor. Er vertraut auf den neuen Markt der Keramik und setzte Otto Piene anlässlich der Zero-Ausstellung vor einem Jahr in Düsseldorf einen Floh ins Ohr. Das Ergebnis ist unter dem Titel "Verwandlung" ab Freitag im Hetjens-Museum zu sehen. Der Zero-Künstler erscheint dabei als Schöpfer irdenschwerer Ware.

Regenbögen über einem Kaffee-Service von Rosenthal

Schon einmal war eine Firma auf Piene zugegangen, die berühmte Porzellanmanufaktur Rosenthal in Selb. Sie hatte 1972 seinen siebenfarbigen, aufgeblasenen Regenbogen über dem Olympiagelände in München gesehen und ihn eingeladen, das vom Bauhaus-Architekten Martin Gropius gestaltete Kaffee-Service mit Regenbogenfarben zu versehen. Und weil sie dies so prächtig fand, ließ sie sich von Piene auch gleich noch die Fassade ihrer Hauptverwaltung in mehrere, miteinander korrespondierende Regenbögen verwandeln. Die Entwürfe zum "Regenbogenland" und das Service bilden den ersten Teil der Ausstellung. Der zweite Teil gilt den Arbeiten der letzten Monate. Die keramische Kunstwerkstatt von Niels Dietrich in Köln, die auch mit Thomas Schütte und Rosemarie Trockel zusammenarbeitet, gestaltete ihm die Formen: also den Kopf eines Ikarus mit mehreren spitz zulaufenden Strahlen, mehrteilige Gockelhähne und Bullen sowie jede Menge Platten und Kuben. Die weiteren Arbeitsprozesse sind die üblichen einer Keramikfabrik. Da wird gebrannt, bemalt und glasiert. Piene bewarf den Ikarus-Kopf und die Strahlen mit einer sehr dünnen roten Farb-Ton-Flüssigkeit und ließ sie brennen. In einem weiteren Arbeitsgang stellte er die noch feuchte Form in einen Kasten mit perforiertem Deckel und trug mit einem Rakel Tonfarbe auf, die durch die Löcher auf den Kopf fiel. Diese simple Technik erinnert an Pienes Anfänge vor 50 Jahren, als er Farbe und Feuer durchs Raster schickte. Die Tropfen gerinnen zu dicken Tropfen.

Rasterplatten sind nun nicht mehr leichtgewichtig

Einen aufgeblasenen roten Hahn hatte er zuletzt in der Halle 6 gezeigt, jetzt verschränkte er kleine Hahn-Figuren miteinander und kolorierte sie anschließend tropfenderweise. Dasselbe gilt für die Rasterplatten, die nun nicht mehr leichtgewichtig wie in den Anfängen sind, sondern je nach Größe kiloschwer sein können.

Zero 50 Jahre sind vergangen, seit Otto Piene gemeinsam mit Heinz Mack 1957 Zero, die wichtigste Avantgarde-Bewegung nach dem Krieg, in Düsseldorf ins Leben rief.

Raster Das Neue an Zero lag im Raster, das die Handschrift ersetzte.

Standort Piene lebt in Düsseldorf und Cambridge, MA, USA.