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Orgelvirtuose Ben van Oosten spielte beim Düsseldorfer Ido-Festival

Kultur Kompakt : Organist van Oosten brilliert an St.-Andreas-Orgel

Der Niederländische Musiker gab ein Konzert beim Ido-Festival.

Die Orgel in St. Andreas gehört zu den besten Instrumenten der Düsseldorfer Kirchenmusikszene. Neben den vielfältig variablen und klangintensiven Registern spielt die Akustik eine prägende Rolle. Der reduzierte Hall des Kirchenraumes ermöglicht gerade in Bezug auf Polyphonie und nuancenreich-differenzierte Akkordik ein konzertantes Orgelspiel, eine transparente Mehrstimmigkeit ebenso wie eine kompakte Klangentfaltung.

Man muss als Organist aber auch damit umgehen können. Ben van Oosten, niederländischer Organist, vielfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet und gefragter Musiker, beherrschte diese Orgel, glänzte bei seinem Ido-Festival-Konzert in der Andreaskirche mit einem fulminaten Orgelspiel und adelte diese großartige Orgel, indem er ihre klanglichen Möglichkeiten offenlegte.

Alle Kriterien eines hochkarätigen Orgelspiels wurden erfüllt: Eine klanglich ausgewogene Registrierung in kraftvollen Passagen wie auch zarte, andachtsvolle Momente, eine Transparenz polyphoner Stimmführung wie in Bachs „Fantasie und Fuge g.moll BWV 542“, ein effektvoller Klangrausch und atmender Gesang in Charles Widors „Symphonie Nr.6 g-moll“, deren großangelegtes Finale an Schumann’sche Symphonik erinnerte, aber auch meditative Momente wie in Louis Viernes „stèle pour un enfant défunt“ aus seinem „Triptyque op.58“ beeindruckten sehr.

Die größte Überraschung aber präsentierte van Oosten mit Mendelssohns ursprünglich für Klavier komponierte „Variations sérieuses d-moll op.54“, die er selber zusammen mit Reitze Smits für die Orgel arrangiert hat. Seine Interpretation vermittelte eine ungewohnt neue Inspiration. Jede Variation hatte ihre eigene Registrierung, vergleichbar einem unikaten Charakterstück, stilistisch geprägt von Bach bis Widor. Polyphone Momente klangen bei van Oosten so überzeugend, als wären sie original für die Orgel geschrieben, Flöten kontrastierten mit Zungenregistern, atmende Ruhe traf auf atemlose Bewegtheit, die Schumann’sche Ekstase traf auf Mendelssohn’schen Frieden.

Großer Applaus für einen Weltklasse-Organisten, der das Düsseldorfer Konzertleben bereichert hat.