Nun geht die Quadriennale auf die Straße

Nun geht die Quadriennale auf die Straße

Das alternative Programm startet in Pinten, Büdchen und einem alten Baumarkt.

Düsseldorf. Bislang war die Quadriennale nicht viel anders als ihre beiden Vorgängerveranstaltungen. Sie bestand vor allem aus klassischer Kunst, historischen Filmen und Themenausstellungen für Kunstfans. Immerhin lockte sie 110 000 Besucher in den ersten fünf von 23 Wochen an, was erstaunlich viel ist. Nun aber am Ende des Wonnemonats Mai und im Juni verspricht sie das zu werden, worauf das junge Publikum erpicht ist: Sie geht auf die Straße, in Altstadtpinten, in einen leerstehenden Baumarkt und sogar in die Büdchen. Fachleute der alternativen Szene organisieren das bunte Programm.

Bojan Vuletic vom Asphalt-Festival komponiert eine „Ode an das Büdchen“ als Requiem auf eine aussterbende Spezies. Im Zeitalter von Konsumtempeln und Interneteinkäufen wirke der Kiosk wie ein Anachronismus, meint er. Es sei der „allerkleinste Kulturraum, ein Ort der Kommunikation und des Austausches zwischen Büdchenbesitzer und der Nachbarschaft“. Vuletic ordert Busse der Rheinbahn, um mit den Neugierigen von Kiosk zu Kiosk zu ziehen. Auftakt ist der Solarium-Kiosk an der Neustraße 12 in der Altstadt. An sieben Standorten gibt es eine jeweils andere Hymne, gespielt von einer Geigerin und einer Pianistin. Angefahren wird auch der Lindenplatz, wo der Kiosk der Vergangenheit angehört.

Karl Heinz Rummeny vom Parkhaus und Alex Wissel, der einstige Gründer der Oktoberbar, laden in den ehemaligen Toom-Baumarkt an der Oberbilker Allee. 24 Künstlergruppierungen werden das Domizil in Künstlerlofts verwandeln. Nach der Katastrophe bei der Love-Parade sind allerdings die Sicherheitsbestimmungen so enorm gestiegen, dass die alternative Veranstaltung 52 000 Euro kostet. Es dürfen jeweils nur 199 Leute die 24 Räume betreten; Rauchen ist verboten.

Jan Wagner, Filmwerkstatt

Alex Wissel bestreitet das Rahmenprogramm unter dem süffisanten Titel „Klüngel“. Er ließ sich eine Bühnenarchitektur von Jochen Weber in den postmodernen Farben Rosa und Türkis anfertigen und will Performances, Videos und Multimedia als Abendveranstaltungen bieten.

„Arena“ nennt sich ein Videoparcours durch die Altstadt, organisiert von Jan Wagner von der Filmwerkstatt. Eigentlich sollte diese Videonacht in den Museen stattfinden, aber Wagner fand die Altstadt einfach angemessener. Sein Wunsch: „Hier werden die Welten des Fußballs mit den unzähligen Flachbildschirmen in den Pinten und die Kultur der Künstlervideos auf-einander treffen.“ Normalerweise sei die Altstadt ein artifizieller und touristischer Ort, ein blinder Fleck zwischen Rhein und den Kunsthäusern. Das soll sich ändern. Es sei dringend nötig, dass die Videokunst aus dem Internet an die Öffentlichkeit trete und dort wahrgenommen wird, wo die Menschenmassen sind, sagt Wagner.

Eine lange Musiknacht wird von Philipp Maiburg und Florian Pehle vom Open Source Festival dann doch in den Foyers der verschiedenen Museen vorbereitet. Die Gruppe Mouse on Mars hat ihren Liveauftritt in der Piazza von K 21. Die Grandbrothers und das Brandt Brauer Frick Trio begleiten die Zuhörer in dieser Nacht der Musik.

Mehr von Westdeutsche Zeitung