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NRW-Forum: Warhol und seine Mythen

NRW-Forum: Warhol und seine Mythen

„Myths“ zeigt die Arbeitsweise des US-Künstlers – und die Vorlagen für einige seiner Werke.

Düsseldorf. Auf die Frage eines Reporters, ob er an den amerikanischen Traum glaube, erklärte Andy Warhol lakonisch: "Nein, aber ich glaube, wir können damit Geld verdienen." Er hätte viel verdient, würde er noch leben. Allein ein Siebdruck in 200er Auflage kostet heute zwischen 80000 und 100000 Euro, wenn er überhaupt zu haben ist. Im NRW-Forum ist eine ganze Serie zu "Myths" ("Mythen") zu bewundern. Die Schau in der oberen Galerie zeigt, wie Warhol bestimmte Motive systematisch analysierte, bevor er sie ausschlachtete. Die Bilderreihe ist spannend und informativ, weil sie seine Arbeitsweise, seine Neugier, seinen Forschungsgeist aufzeigt.

Der junge Andy himmelte Stars an, dann wurde er selbst einer

Warhol stammte aus kleinsten Verhältnissen, die Mutter musste putzen gehen und Blechblumen verkaufen. Er selbst bot als Junge Obst und Gemüse feil. Er himmelte Stars an, bevor er Ende der 50er Jahre selbst die Erfolgsleiter hochkletterte und zum Werbekünstler wurde, der von der Kunst profitierte. In seiner Factory umgab er sich mit verrückten Typen, wurde 1968 fast Opfer eines Attentats und machte bis zu seinem Tode, 1987, Ikonen von Mao bis Jacky Kennedy zu seinen eigenen berühmtesten Bildern. 1981 entsteht die Serie "Myths" für die Ronald Feldmann Galerie in New York, die die Schätze nun an den Ehrenhof entleiht. Warhol suchte aus einer Flut von Bildern, Film-Stills, also "eingefrorenen" Szenen, Polaroids und Reklame-Drucken zehn Motive aus, die er für besonders bildmächtig hielt. Darunter befinden sich neben Dracula, Mickey Mouse und Uncle Sam auch Selbstporträts. Während er in Wirklichkeit zerfurcht, vernarbt und durchgeknallt aussah, erscheint er in der Mythen-Serie schräg von der Seite fotografiert. Dadurch wirft sein Konterfei einen überlangen Schatten, die Stirn mutiert zur gedehnten Denkerstirn, die operierte Nase schiebt sich energiegeladen nach vorn. Das Schattenbild macht das Original zur bedeutenden Figur. Die Mythen-Quellen sind Comics, Werbe-Logos, Hollywood- und Fernsehfilme. Andy Warhols Stärke lag stets in der Auswahl und in der unschlagbaren Kraft der bildgerechten Vereinfachungen. Dracula springt in wenigen violetten Linien aus dem Schwarz des Untergrundes, etwas gespenstisch, wie ein alt gewordener Beuys-Kopf. "Mammy", ursprünglich in einer Pfannkuchen-Fertigmischung gesichtet, wegen Copyright-Streitigkeiten mit einer dunkelhäutigen Sängerin besetzt, taucht in doppeltem Schwarz aus dem Untergrund hervor und trägt das gebundene Kopftuch in einer triumphalen, mit Glitzergold unterlegten Schleife auf dem Kopf. Es entsteht das königliche Bild einer "schwarzen Dienerin". Faszinierend ist vor allem die Umsetzung von Greta Garbo als Mata Hari: Garbos Schönheit, ihre Verschlossenheit und das Geheimnis um ihr Privatleben übersetzt Warhol in die Gestalt einer Sphinx, bedeckt die Gründe mit Diamantstaub und lässt die Konturen einer roten, magischen Lady so genial drucken, als seien sie mit Fettkreide aufgetragen.

Andy Warhol

Vita Andy Warhol wurde 1928 als Andrew Warhola in Pittsburgh geboren, als Sohn osteuropäischer Immigranten. Er arbeitete als Schaufensterdekorateur, wurde ein berühmter Werbemann, in den 60ern dann eine Pop-Ikone. Er hat viele Gesichter, ließ sich seine Nase verkleinern, trug ein Haarteil und später eine silbrige Perücke. Er starb 1987. Ausstellung Sie wird Donnerstag Abend um 18.30 Uhr im NRW-Forum, Ehrenhof 2, eröffnet und läuft bis zum 15.April. Der Katalog kostet 19,90 Euro.