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NRW-Forum Düsseldorf zeigt listige Schau von Bieke Depoorter

Ausstellung : Die Listige Schau der Bieke Depoorter im Düsseldorfer NRW-Forum

Ehrenhof: Im Spiel zwischen der Künstlerin und der Performerin Agata werden ständig die Positionen zwischen Modell und Porträtistin vertauscht.

Die belgische Künstlerin Bieke Depoorter (33) hat eine steile Karriere hinter sich. Die Absolventin der Königlichen Kunstakademie in Gent ist seit ihrem 30. Lebensjahr ordentliches Mitglied von Magnum Photos. Inzwischen veröffentlichte sie vier Bücher, erhielt mehrere Auszeichnungen und präsentiert im NRW-Forum eine lustige und listige Schau, in der sie mit den Besuchern spielt. In fünf Serien führt sie alles hinters Licht, was als Dokumentarfotografie, Performance und Fiktion zu deuten wäre.

Der Besucher spielt in der Schau plötzlich den Privatdetektiv

Angekündigt wird sie von Institutsleiter Alain Bieber als Star. Prompt unterläuft sie diese These, indem sie gleich im ersten Raum die Musterseiten für ein Fotobuch mit ägyptischen Interieurs seitenverkehrt an die Wände pinnt. Nichts im Rahmen, keine Kaschierung und kein Museumsglas. Stattdessen zeigt sie zugleich unter oder neben den Bildern die Kommentare, die die Museumsgäste dazu kritzeln. „Ich glaube, du solltest mit dem Buch noch mal von vorne anfangen“, ist da zu lesen. Wie in einem Layout-Studio wirkt dieses Entree.

Die Arbeit im ersten Raum zeigt die Probleme des Fotojournalismus in unserer Zeit. Wie soll sie in einem Land wie Ägypten fündig werden, wo sich das Privatleben hinter verschlossenen Türen abspielt. Was im arabischen Frühling noch möglich war, hinter den Vorhang zu schauen, wird von Jahr zu Jahr schwieriger, denn die Einheimischen lassen sich nicht mehr ablichten. Aber sie lassen sich befragen und schreiben ihre Gedanken direkt auf die Fotos. Der Besucher aber, der normalerweise Ausstellungen im Schnellschritt absolviert, steht nun vor jedem Wimmelbild mit den vielen Menschen in den engen Räumen und liest die übersetzten Kommentare. Und plötzlich kommt sich nicht die Fotografin, sondern der Betrachter wie ein Privatdetektiv vor, der in einer fremden, aber ungemein farbenfrohen, sehr lebendigen Welt mit vielen kleinen Dingen nach dem Rechten schaut.

2017 trifft Bieke Depoorter die junge Performerin Agata in einem Pariser Strip-Club. Ein klar geschnittenes Gesicht, auf der offenen Brust ein großes, schwarzes Kreuz, im Rotlicht-Milieu oder im Adamskostüm blickt sie lässig auf den Betrachter herab. So inszeniert sich diese junge Frau als ein Produkt der Begierde in der Nacht, taucht mit den Perücken ihren Typ und beginnt ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Modell und Fotografin. Aus den Porträts wird eine Kollaboration. Agata und Bieke loten schließlich die Beziehungen zwischen dem Selbst und dem Anderen aus.

Zu einem zugleich verwirrenden und packenden Suchspiel wird die Serie „Michael“. 2015 trifft die Fotografin einen Mann in Portland, der ihr drei Koffer voller Collagen und Schreibfetzen gibt, um anschließend für immer zu verschwinden. Sie besucht die Orte, wie es in den Bildtexten heißt, die er in seinen Aufzeichnungen beschrieben hat. Sie trifft alte Klassenkameraden, die einsilbig bleiben. Sie kommt an Orte, von denen sie denkt, dass er sie gemocht haben könnte. Doch neben all der gespielten oder erträumten Elegie gibt es auch Szenen der Ernüchterung, wenn er in einem Brief an sie schreibt, er bräuchte eine Pfannkuchen-Backmischung, Gurken, Tomaten, Milch und Toilettenpapier. Fiktion und Dokumentation gehen nahtlos ineinander über.

Suche nach Michael, der vielleicht gar nicht existierte

Bieke Depoorter widmet ihrem Michael schließlich einen ganzen Raum. Er gleicht einer Höhle, in der sie die Ergebnisse ihrer Recherche vom Fußboden bis an die Decke präsentiert. Dabei wird auch deutlich, dass er bipolar ist und keinen Kontakt zu seinen Kindern und seiner Familie hatte, keinen Internetanschluss und kein Telefon besaß und täglich stundenlang wanderte. Irgendwann taucht beim Besucher der Verdacht auf, dieser alte Mann mit den grauen Haaren könnte vielleicht gar nicht gelebt haben. Dann wäre er verschwunden, weil er nie dagewesen ist.

Info: NRW-Forum, Ehrenhof, Ausstellung Depoorter bis 16.Februar. Öffnung: Dienstag bis Donnerstag 11 - 18 Uhr, Freitag + Samstag bis 21 Uhr, Sonntag 10-18 Uhr

www.nrw-forum.de