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Nicole Kidman mit viel Mut zur Hässlichkeit in "Destroyer"

Koeps Kino : Nicole Kidman mit viel Mut zur Hässlichkeit

Koeps Kino In „Destroyer“ spielt die australische Darstellerin eine heruntergekommene Polizistin.

Mid 90s

Das Regie-Debüt des Schauspielers Jonah Hill „Wolf of Wall Street“ ist eine Hommage an seine Jugend in den 90er Jahren in Los Angeles: eine wilde Zeit in der rebellischen Skaterszene, die zur Ersatzfamilie des jungen Stevie wird. Auf den Sessions in den Hinterhöfen der kalifornischen Metropole lernt der Junge sich gegen seinen brutalen Bruder Ian (Lucas Hedges) durchzusetzen. Ohne nostalgische Wehmut, aber trotzdem mit viel Gefühl für Zeit und Charaktere gelingt Hill ein sehr authentisches Coming of Age-Drama.

Cinema, Sonderveranstaltung am Do. um 19 h und Mo. um 21.30 h (im engl. OmU)

Beale Street

Nach seinem Oscar für „Moonlight“ setzt Filmemacher Barry Jenkins gleich eine weiteres Ausrufezeichen für den schwarzen Film in den USA. Die Verfilmung des Romans „Beale Street Blues“ von James Baldwin erzählt die Geschichte eines rassistischen Justizirrtums nicht als kämpferisches Pamphlet, sondern als subtile Liebesmelodram.

Harlem in den 1970er Jahren, die Verkäuferin Tish und der Bildhauer Fonny sind ein schwarzes Paar und erwarten bald ein Kind. Eines Tages wird Fonny verhaftet, ihm wird die Vergewaltigung einer Puertorikanerin vorgeworfen. Obwohl er ein Alibi hat, landet Fonny im Gefängnis. Tishs Familie setzt alles daran, seine Unschuld zu beweisen. Schließlich kann Tishs Mutter die Zeugin der Anklage in Puerto Rico ausfindig machen. Doch sie hat Angst vor der Polizei und lässt sich nicht dazu bewegen, ihre Aussage zu widerrufen. Fonny wird die Geburt seines Kindes im Gefängnis erleben...

Atelier, tgl. 19 u. 21.30 h, So. – Mi. um 21.30 h im engl. OmU

Destroyer

So hat man Nicole Kidman noch nicht gesehen, mit aller Gewalt nagt die Rolle als heruntergekommene Polizistin am sonst makellosen Konterfei des Hollywood-Stars: schlechte Haut, tiefe Falten und strähnige Haare. Mit viel „Mut zur Hässlichkeit“ schmeißt sich die Australierin in eine Rolle, die gegen den Strich gebürstet ist: „hard boiled“ statt Glamour.

Vor 17 Jahren endete der erste Undercover-Einsatz der Polizistin Erin Bell in einem Desaster, seither ist sie eine gebrochene Frau, die sich rotzig raubeinig durch den Job schleppt, die Ehe ist ebenso ruiniert wie die Beziehung zu ihrer Teenager-Tochter. Doch dann taucht ein Hinweis auf, dass der Bankräuber Silas, auf den sie einst angesetzt war und der spurlos verschwunden war, wieder am Werke ist. Ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz macht sich Erin auf einen Kriegspfad der Rache. Karyn Kusama lässt im sonnig-finsteren Los Angeles die Tradition der Schwarzen Serie handfest auferstehen.

Atelier, Vorpremiere am Mo. um 19 h (engl. OmU)

Die Sisters Brothers

So schräg war der Wilde Westen seit Tarantinos „Hateful Eight“ nicht mehr. So ganz kommt Regisseur Audiard nicht an den makaberen Humor heran, dafür hat der in Spanien und Rumänien (aber mit US-Stars Joaquin Phoenix, John C. Reilly, Jake Gyllenhaal) gedrehte Euro-Western seinen ganz eigenen Humor, der sich schon im grotesken Titel zeigt. Und so sind die Sisters-Brüder eben bei der Kopfgeld-Jagd eine bizarre Mischung aus skrupellosen Killern und dann wieder sensiblen Brüdern mit Hang zu Missverständnissen.

Metropol, tgl. (außer Do.) um 19 h und tgl. (außer Mo.) um 21.30 h im engl. OmU

Trautmann

Der beste englische Torwart aller Zeiten war: Deutscher. Mit der Geschichte von Bernhard „Bert“ Trautmann zeigt Marcus H. Rosenmüller eine etwas anderes „Wunder von Bern“. Während die Herberger-Helden Weltmeister wurden, wurde Trautmann zu Englands Fußballer des Jahres gewählt. Obwohl zunächst auf der Insel verhasst, konnte der ehemalige Wehrmachtssoldat, der als Kriegsgefangener nach England kam, bald die Anerkennung der Fans erringen. 1956 sicherte er Manchester City mit seinen Paraden die Meisterschaft. Als bekannt wurde, dass er die letzte Viertelstunde mit gebrochenem Halswirbel gespielt hatte, war ihm der Heldenruhm sicher.

Rosenmüller erzählt die Nachkriegsgeschichte als Sportdrama mit romantischem Einschlag und sicherem Gefühl für pathetisch-rührende Momente.

Cinema, Vorpremiere am Di. um 19 h

Die Berufung

Auf der zierlichen, alten, schwerkranken Frau lasten derzeit die Hoffnungen des liberalen Amerika: Ruth Bader Ginsburg ist eine unbeugsame Richterin im Supreme Court, den Trump skrupellos mit seinen erzkonservativen Gefolgsleuten besetzen möchte. Doch die dezente 85-jährige ist solche Herausforderungen gewohnt, sie hat quasi im Alleingang das Patriarchat im amerikanischen Gesetzeswesen niedergerungen. All dies war kürzlich schon als Doku in „R.G.B. – Ein Leben für die Gerechtigkeit“ zu sehen.

Nun reicht Mimi Leder die Biographie als süffigen Spielfilm nach. Im Zentrum stehen dabei die unkonventionelle Ehe mit dem Steuerrechtsexperten Martin Ginsburg und natürlich ihre bahnbrechender Prozesse gegen Sexismus und Diskriminierung. Eine unterhaltsame, aber sehr brav inszenierte Lektion in Sachen Emanzipationsgeschichte.

Bambi, tgl. 16.30 u. 19 h, (am Di. um 19 h im engl. OmU)