Neuer Professor für Komposition in Düsseldorf stellte sich vor

Robert-Schumann-Hochschule : Neuer Professor für Komposition stellte sich vor

Beim Antrittskonzert von Oliver Schneller wurde akustisch gezaubert.

Es gab Zeiten und Orte, da war das Antrittskonzert eines neuen Kompositionsprofessors so etwas wie ein gesamtstädtisches Kulturereignis. Welche neue bis dahin unerhörte musikalische Strömung würde der Neue mit in die Stadt bringen? Welche Klänge hat er bei seinem ersten Konzert im Gepäck und vor allem, wer ist alles vor Ort und was sagen all diese Leute über den neuen Kompositeur?

Nun, diese Zeiten sind wohl schon etwas länger vorbei – zumindest hier in Düsseldorf; der Autor dieser Zeilen kann sich noch an überfüllte Antrittskonzerte in der Budapester Musikakademie erinnern, aber sei es drum. So oder so, obwohl wir heutzutage von ganz anderen Dimensionen sprechen, war die „Visitenkarte“, also das Antrittskonzert, des neuen Kompositionsprofessors Oliver Schneller für Konzerte im Hochschulrahmen im Partika-Saal durchaus gut besucht. Und diejenigen, die kamen, konnten sich auf mitziehende und nicht selten faszinierende Klangeindrücke freuen.

Schneller, geboren 1966 in Köln, ist einer jener Komponisten, die sich in ihrem Schaffen mit Klang, Akustik und Grenzbereichen zwischen instrumentalem und elektronischem Klang befassen. Vielleicht ein bisschen wie ein Forscher, aber in seiner Klangsinnlichkeit in seinem Fall auch durchaus wie ein mit den Möglichkeiten spielender. Schnellers Musik nutzt live-Elektronik, nicht selten als ein Weiterdenken des instrumentalen Klangs, als ein künstlicher Widerhall, vielleicht auch mal ein akustischer Spiegel oder ein Zerrspiegel. Lautsprecher – verteilt im Raum – vermitteln räumliche Eindrücke. Da kann ein Klavierton, eine Konstellation sich plötzlich verflüchtigen und durch Obertöne wie in eine andere Sphäre hinauf oder hinabtauchen. Das alles durch geschickten Einsatz von Einspielungen, die sich mit der Akustik vermählen oder sie brechen.

Pianistin Heather O´Donnell interpretierte sowohl etwa seine „Five Imaginary Spaces“ aus 2000/2001 bestechend inspiriert, als auch als Hommage an Charles Ives dessen „Three Quarter Tone Pieces“, hier indes nicht für zwei gegeneinander verstimmte Klaviere, sondern für ein echtes von ihr gespieltes und ein virtuelles von Schneller beigesteuertes. Faszinierend, wie das Spiel mit Klangreibungen schon bei Ives für Unerhörtes gesorgt hat. Bei Schneller indes mischt sich eine gewisse Freude am schaurigen, obskuren Klangeffekt hinein. Fast vermag man sich hin und wieder wie in der Klangkulisse einer Geisterbahn fühlen. Und doch spürt man auch als Zuhörer, dass hier hohe Kunst am Werke ist.

Wenn wir schon über das Obskure sprechen. „Clair-obscur“ hieß das von sieben Musikern der Hochschule unter der Leitung von dem Bohn-Schüler Moon Doh gespielte packende Hauptwerk des Abends – das auch mit Lautsprechern spielte.

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