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Düsseldorf: Neue Urbanität durch Kunst im Raum

Düsseldorf : Neue Urbanität durch Kunst im Raum

Welche Arbeiten künftig in der Öffentlichkeit stehen, entscheiden ab 2016 die Künstler. Die Verwaltung berät nur noch.

Düsseldorf. Mit Manolo Valdes begann vor knapp zehn Jahren eine Diskussion in Düsseldorf, die mit einem neuen „Handlungskonzept“ in Kürze endet. Der verstorbene OB Joachim Erwin hatte bronzene barocke Damen des spanischen Bildhauers Manolo Valdes auf den Mittelstreifen der Heinrich-Heine-Allee gesetzt und sich den Unmut der Bevölkerung und der Kunstsammlung zugezogen.

Heute stehen die ausladenden, tonnenschweren Damen unmotiviert auf einer Wiese im Hofgarten. So etwas soll es in Zukunft nicht mehr geben. Welche Arbeiten in der Öffentlichkeit stehen und welche nicht, das sollen ab Anfang 2016 die Künstler selbst entscheiden. Ihr Konzept liegt der WZ vor.

„Kukodus“ nennt sich die Arbeitsgemeinschaft der Künstler unter dem Maler Jörg-Thomas Alvermann als Sprecher und als Verfasser des Entwurfs. Zur Gruppe gehörte bis Oktober auch Andrea Knobloch, die mit drei Kollegen die Schadowstraße in ein abstraktes Kunstfeld verwandeln wollte und scheiterte. Es gab viel Unmut. Bei Kunst im öffentlichen Raum wollen alle mitreden. Die Erwartungen an die Kunstkommission, in der die Verwaltung nur noch beratend tätig ist, sind entsprechend groß.

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP will nicht nur eine andere Politik als die einstigen Koalitionspartner CDU und FDP, sie will auch ein anderes Stadtbild. Das erreicht man am ehesten, indem man das Alte abschafft. Vom „Recht jeder Generation“ ist nun die Rede. „Über den Umgang mit vorhandener Kunst im öffentlichen Raum in städtischem Besitz sei neu zu beraten“, heißt es.

Der Entwurf der zukünftigen Richtlinien sieht nicht nur die Entstehung neuer, wie auch immer gearteter urbaner Räume vor, sondern die „vollständige oder vorübergehende Entfernung von Kunstwerken im städtischen Besitz“. Konsequenterweise soll das Neue gleichfalls nicht nur fest gemauert in der Erde sein.

Die Kommission spricht von „temporärer Kunst“, die gleichfalls wieder verschwinden könnte. Es gehe nicht um „Kunst als schönen Bauschmuck“, sondern um eine „neue Urbanität“, zu der auch die Gestaltung von Straßen, Plätzen und Grünanlagen gehören.

Pikant wird das Papier, wenn es ums Geld und um die Kompetenzen geht. Aber auch hier hat die Ampel schon im Ratsbeschluss vom 25. Juni grünes Licht gegeben. Von allen Baumaßnahmen, von Kosten also für Neubauten wie Instandsetzung, fließen ab 2016 bis zu zwei Prozent der Summe in Kunst im öffentlichen Raum. In diesem Jahr gibt die Stadt 229,3 Millionen Euro für Baumaßnahmen aller Art aus.

Zwei Prozent wären damit 4,6 Millionen Euro. Diese immense Summe fließt jedoch nicht ungefiltert den Künstlern zu. Vielmehr wird davon auch eine Geschäftsführung mit Geschäftsstelle finanziert, die Kulturdezernent Hans-Georg Lohe parallel zur Verabschiedung der Satzung einrichten will.

Mit dieser Satzung aber werden der Kulturdezernent und der Baudezernent in ihren Kompetenzen massiv beschnitten. Und wie es heißt, haben sie freiwillig auf ihre Macht verzichtet. Die Kunstkommission besteht nämlich als Fachgremium aus stimmberechtigten und nicht stimmberechtigten Mitgliedern.

Lohe ist ebenso wenig stimmberechtigt wie der Baudezernent, der nach dem Weggang von Gregor Bonin erst noch gesucht werden muss. Zu Experten schwingen sich die Künstler auf. Sie übernehmen letztlich die Verantwortung „für die Stadtgesellschaft“. Eine kühne Idee, denn von ihren Qualitäten, ihrem Können, ihren Voraussetzungen ist in dem gesamten Papier nichts zu lesen.

Es heißt lediglich, die Kommission setze sich aus neun Künstlern, einem Kunstwissenschaftlicher, je einem Vertreter der derzeit sechs Fraktionen, einem unabhängigen Planer und dem planenden Architekten zusammen. Von den 18 stimmberechtigten Mitgliedern stellen die Künstler also die Hälfte. Die Verwaltung berät lediglich. Immerhin: „Alle betroffenen oder im Einzelfall zuständigen Dezernate und Ämter sind angehalten, eng mit der Kommission und der Geschäftsstelle der Kommission zusammenzuarbeiten.“

Die Diskussion um die Kunstkommission ist so gut wie abgeschlossen, wenn Lohe in einem Informationspapier für den Kulturausschuss am Donnerstag mitteilt, dass die Bauverwaltung bereits reagierte und bei verschiedenen Schulbaumaßnahmen Mittel für Kunst am Bau im Etat 2016 eingestellt habe.