Naughton-Zwillinge spielten im Schumann-Saal Düsseldorf

Kultur Kompakt : Die Naughton-Zwillinge spielten im Schumann-Saal

Die US-amerikanischen Pianistinnen gastierten beim Klavier-Festival Ruhr.

Die Zeiten scheinen vorbei zu sein, in denen man sich über zwischen Sätzen von Werken aufkeimenden Applaus ernsthaft aufregen durfte. Ohnehin gilt es als unhöflich, dem Publikum vorzuhalten, dass Einzelne aus ihren Reihen – aus welchen Gründen auch immer – nicht nur an Stellen, die zum Applaus einladen, sondern auch in denkbar ungünstigen Momenten die Hände zusammenschlagen. Aber es gibt Konzerte, wie der Auftritt des amerikanischen Zwillingspaares Christina und Michelle Naughton im Robert-Schumann-Saal beim Klavier-Festival Ruhr, da nimmt dieses Zwischenklatschen derart überhand, dass man sich doch ärgern möchte. Weil die Musik darunter leidet.

Wenngleich das technisch in großen Teilen absolut zielsichere Spiel der feenhaften Zwillinge manche ohnehin, auch ohne Zwischenapplaus, sich zeitigende interpretatorische Ambiguität nicht überspielen konnte. Man weiß, dass die Naughtons weniger das überzeichnende Virtuosen-Spielchen schätzen, als geschmackvolle Ehrlichkeit. Natürlich spielen die Zwillinge mit einer zweifelsohne überragenden Kultur, müssen sich vor irrwitzigen Passagen wie in der Tarantella von Rachmaninows Suite Nr. 2 für zwei Klaviere aber auch nicht fürchten. Doch ihr feiner, aber überraschenderweise auch ein bisschen zu perkussiv unterlegter Anschlag, singt nicht immer so, wie man es von einem Duo solchen Rufes erwarten würde. Obzwar sie auf sehr beeindruckende Weise in ihrem Spiel verschmelzen können, wie eine transzendente Verbindung, scheinen sie diese geistige Energie bei der Durchdringung des von ihnen recht willkürlich gemischten Programms nicht immer aufkommen zu lassen. So etwa wirkt die Fuge KV 426 nicht mozartisch. Bisweilen etwas harsch und fast ruppig phrasiert. Poulencs Sonate pour piano à quatre mains FP 8 – zu eingangs gespielt – scheint wiederum musikalisch nicht durchgefühlt. Der Funke zündet nicht. Der amerikanische Schwerpunkt: Charlie Harmons Bearbeitung von Stücken aus Bernsteins Candide für vier Hände und John Adams´ eigens eingerichtete virtuose Klavierfassung von „Short ride in a fast machine“ hätte stellenweise auch etwas mehr Pfeffer vertragen.

Am Schluss gab es aber zurecht satten Applaus und zwei Zugaben.

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