Nach dem Fall Achenbach

Nach dem Fall Achenbach

Wie reagieren Galeristen und Museen auf die verlockenden Geldspenden und die boomenden Geschäfte mit der Kunst?

Düsseldorf. Was kann Düsseldorf aus dem Fall Achenbach lernen? Was sagen die Galeristen, die Museumsleute, die Künstler? Bleibt alles beim Alten? Sind nur die Künstler die Dummen und die Kunstkäufer die Naiven? Wie geldgierig ist der Markt?

Clara Maria Sels, die ehrenamtlich das letzte Photo-Weekend organisiert hat, glaubt nicht an große Veränderungen seit dem Fall Achenbach. Sie sieht die Probleme in der Marktstrategie der Großhändler und in der fehlenden Selbstständigkeit der Käufer. Sie sagt: „Vom Umsatz her wird es für uns Kleine immer schwieriger.“

„Die Galerien sollen natürlich nicht wie Achenbach Rechnungen fälschen“, sagt Sels. Sie sieht den Fehler aber auch bei den Käufern: „Die Kunstkäufer sind unselbstständiger geworden. Sie entscheiden sich nicht für das, was ihnen gefällt, sondern sie wollen zunächst einmal die Versicherung haben, dass ihr Kunstwerk im Kaufpreis steigen wird.“

Die Kundschaft hätte sich drastisch geändert. Als Sels in den 1990er Jahren anfing, lagen Kunst und Kaufinteresse noch dicht beieinander. Sie sagt: „Heute ist das Objekt der Begierde mehr ein Objekt der Aktie geworden. Es geht eher um das Anhäufen von Materie als um den Genuss an der Kunst. Man freut sich, in ein paar Jahren beim Verkauf mehr Geld auf dem Konto zu haben.“ Die einzige Ausnahme seien junge Leute. Sels: „Sie freuen sich an der Kunst und überlegen nicht, ob das Werk eine Wertsteigerung erfahren wird.“

Die Galeristin Ute Parduhn war wie Clara Maria Sels lange Zeit Sprecherin der Galerien. Sie sagt: „Achenbach war unglaublich geschickt, er war ein toller Kommunikator. Er hat sie alle eingewickelt. Das kann nicht jeder. Es ging um Kunst, aber auch um die gesellschaftliche Anerkennung, selbst bei Aldi. Der Konzernchef wollte nicht nur versteckt leben, der wollte auch einmal Spaß haben. Das hat Achenbach gut ausgenutzt.“ Auch sie appelliert an die Kunden, nicht auf jedes Angebot reinzufallen. Sie sagt: „Man muss sich selbst schlau machen, als Kunde und als Galerist. Heute ist der Kunstkauf leider eher ein Prestige-Projekt.“

Bei der Frage, ob die Galeristen aus dem Fall Achenbach lernen, antwortet Parduhn mit einer Klarstellung: „Achenbach war eben kein Galerist. Er hat auch keine Aufgaben eines Galeristen übernommen und Künstler hoch gebracht. Er hat nur oben gefischt. Er hat sich nur für die interessiert, die schon oben waren. Aber er hat letztlich nur gute Sachen verkauft.“

Wie reagieren die öffentlichen Häuser? Immerhin haben Kunsthalle und Museum Kunstpalast häufig mit Achenbach zusammengearbeitet, war doch Achenbach Sprecher der Sammlung Rheingold. Sie bekamen Bilder geschenkt, erhielten Leihgaben und zuweilen Zuschüsse zu Katalogen. Gregor Jansen, Chef der Kunsthalle, erklärt, wie es dazu kam: „Wir saßen im Beirat der Sammlung Rheingold. Wir berieten mit unserem Wissen, bekamen dafür aber kein Geld, sondern eine Unterstützung für unsere Institute.“

Jansen zählt auf, was da alles durch die Sammlung Rheingold unterstützt worden ist: Allen Ruppersberg, Meuser, Michael Kunze, Marijke van Warmerdam, Hans Peter Feldmann und Tomma Abts. Es sei in Düsseldorf aber nie so weit gekommen wie bei Kasper König und dem Museum Ludwig in Köln. Da sollen Achenbach, der Kunsthändler Paul Schönewald und sein Kunde Aldi insgesamt 200 000 Euro an das Kölner Museum Ludwig gespendet haben, weil dessen ehemaliger Direktor Kasper König Achenbach einen Kontakt zum Nachlass Roy Lichtensteins vermittelte. Nur durch diese Vermittlung waren zwei Lichtenstein-Bilder in die Sammlung der Albrechts und eines an Paul Schönewald gegangen.

Damit Jansen nicht etwa in falsches Licht gerät, erklärt er: „Wenn die Institutionen genug Geld hätten, wären sie natürlich nicht abhängig.“ Und dann kommt so ein Satz, den auch Harry Schmitz, Vorstand des Museums Kunstpalast, sagt: „Die Sammlung Rheingold ist über jeden Zweifel erhaben.“

Wäre nicht ein Ehrenkodex in jenen Häusern angebracht, die mehrheitlich von der öffentlichen Hand unterstützt werden? Dann wären so genannte Spenden wie in Köln nicht möglich, die den Händlern und deren Käufern mehr einbringen als dem Museum, nicht möglich. Harry Schmitz hierzu: „Die Überlegung eines Ehrenkodex ist berechtigt und interessant. Wir überlegen selbstverständlich stets im Vorstand, ob wir ein Angebot annehmen oder nicht.“

Ein Museumschef, der nicht genannt werden will, erklärt: „Wenn wir bei jedem Sponsor nach dessen Leumund fragen, bekämen wir überhaupt kein Geld.“

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