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Mutter Ey ist nicht sexy genug

Mutter Ey ist nicht sexy genug

Theaterleute sind sauer auf Susanne Anna. Die Direktorin des Stadtmuseums lässt sie mit einem Stück über Johanna Ey abblitzen.

Düsseldorf. Als Susanna Anna das Stadtmuseum übernahm, hatte sie den großen Staubwedel im Gepäck. Das Haus wurde hell renoviert, hippe Themen kamen in Mode. Toni Gard wurde museumswürdig, auch eine Spiele-Schau gab es. Diese Woche hat Anna die Ausstellung "Sex und die Stadt" eröffnet. Das ärgert die Autorin Gerda Hinze und Philipp Kohlen-Priebe vom Theater Flin. "Welche Aufgabe hat dieses Haus eigentlich", reagieren die beiden empört.

Das Duo porträtiert Johanna Ey, eine Institution der Kunststadt Düsseldorf (siehe unten), zu ihrem 60. Todestag auf der Bühne. Zwar gibt es kein vergleichbares Projekt, aber nicht mal eine einmalige Aufführung wollte Anna.

Nach dem vergeblichen Versuch, einen Termin zu erhalten, hatte Gerda Hinze brieflich die Idee vorgestellt. Die Hoffnung, "auch Sie begeistern zu können", wurde nach sieben Wochen durch einen dürren Vierzeiler erstickt: "Nach eingehender Prüfung ... muss ich Ihnen leider mitteilen, dass eine Aufführung Ihres Theaterstücks im Ibachsaal aus konzeptionellen Gründen nicht in Frage kommt. Ich darf mich bei Ihnen herzlich bedanken, dass Sie an das Stadtmuseum gedacht haben."

Die Theaterleute fühlen sich abgefertigt. "Die Absage ist ein bitterer Scherz, weil keine sachliche Auseinandersetzung erfolgt ist." Zumindest geht die Konzeption des Museums ja so weit, dass es hier einen Raum für Mutter Ey gibt und die angeschlossene Gastronomie ihren Namen trägt: Café Ey. Für Kohlen-Priebe das Sahnehäubchen: "Zwischenzeitlich habe ich auf den Webseiten des Museums recherchiert und festgestellt, dass es am 25. August dort keinen Termin gibt."

Die Bittsteller sind keine blutigen Anfänger. Kohlen-Priebe hat Bühnenporträts über Klaus und Erika Mann verwirklicht, mehrfach wurde im Ibach-Saal sein Kästner-Abend gezeigt. Der Kulturausschuss unterstützt das Mutter Ey-Projekt. Zehn Mal ist die szenisch-dokumentarische Retrospektive im Theater Flin zu sehen. Dort und nicht im Ibach-Saal steigt nun die Premiere am 25. August.

Johanna Ey (1864-1947) betrieb ab 1907 eine Kaffeestube in der Nähe der Kunstakademie. Künstler und Studenten bekamen Kredit. Während des Krieges eröffnete sie eine Kunsthandlung, in der sie Werke der Düsseldorfer Malerschule verkaufte. Ab 1920, nach einem Besuch der Maler Pankok und Wollheim, setzte sich Johanna Ey für moderne Künstler und Künstlerinnen ein. Ihre Galerie "Junge Kunst - Frau Ey" wurde zum Zentrum des Jungen Rheinlandes, in dem sich die Künstler austauschen konnten. Um sie zu unterstützen, vergab Frau Ey Porträtaufträge. Schon 1925 wurde sie als "meistgemalte Frau Deutschlands" bezeichnet.

NS-Zeit Mit der Machtergreifung der Nazis galten praktisch alle Maler aus dem Umkreis der Ey als "entartet"; die meisten waren NS-Gegner und zum Teil im Widerstand. Im April 1934 gab Ey ihre Galerie auf. 1939 schrieb sie: "Ich bin das rote Tuch für die Beamten der Stadt Düsseldorf, weil sie alle bald in die Hose was machen, wenn mein Name genannt wird."

Susanne Anna erweist sich immer mehr als Fehlgriff. Als sie das Stadtmuseum übernahm, zog sie sich Unmut zu, weil sie den Rosengarten hinter dem Haus an der Berger Allee rupfen wollte. Die Freunde des Schifffahrtsmuseums vergraulte sie, die Gruppe gab die Verantwortung im Schlossturm zurück. Der aktuelle Umgang mit der Mutter Ey-Produktion ist nicht nachvollziehbar und vom Stil her arrogant. So geht man mit engagierten Bürgern nicht um. Dass sie dazu nicht einmal Stellung bezieht, rundet das Bild ab.