Musikkolumne zu Rock'n'Roll-Legenden

Musik : Nicht jeder überlebt den Rock’n’Roll

Miguel Passarge ist Musik-Chef des Düsseldorfer Zakk. In seiner Kolumne schreibt er über Paul McCartney und Mac Miller — und ihre Unterschiede.

Es gibt die Überlebenden des Rock‘n‘Roll: Die Stones sind seit gefühlten dreißig Jahren auf Abschiedstour, Bob Dylan bringt nicht nur alle paar Jahre hochinteressante Platten heraus, sondern erhielt gar vor zwei Jahren den Literaturnobelpreis, und nun führt Sir Paul McCartney rund um den Globus die Charts an. Vor 62 Jahren hat er mit seinem Kumpel John Lennon die Quarrymen gegründet, die Vorgängerband der Beatles, danach legte er im Zeitraum von zehn Jahren die brillanteste Band-Karriere der Musikgeschichte hin, um 1970 eine Solokarriere zu starten, die wiederum alle Rekorde bricht.

McCartneys neues Album hört auf den Namen Egypt Station und bestätigt ihn als eine der größten Stimmen des Pop. In den sechzehn Songs des Albums spielt er alle seine Stärken aus: Große Melodien sind dort zu hören, schmeichelnde Harmonien, fragile Arrangements mit akustischer Gitarre und straighte Rocknummern.

Doch es gibt auch Musiker, die den Kampf mit dem Schicksal verloren, die nicht überlebt haben. Tom Petty starb letztes Jahr einen tragischen Drogentod, ebenso wie diesen Monat der kalifornische Rapper Mac Miller, und im Sommer wurde der Sänger und Rapper XXXtentacion aus Florida Opfer eines Gewaltverbrechens. Mit „An American Treasure“ erschien letzte Woche eine CD-Box, die das umfangreiche Werk des Songwriters und Sängers Tom Petty angemessen würdigt. Er wurde oft für einen Vertreter der leichten Muse gehalten, verglichen mit einem Neil Young oder Leonard Cohen. Doch im Rückblick entsteht ein ganz neues Bild seines Schaffens, und ihm gebührt unumstritten ein Platz in der ersten Reihe der Pop-Poeten.

Dass so junge Talente wie Mac Miller mit 26 oder XXXtentacion mit 21 Jahren aus dem Leben gerissen werden, ist unglaublich tragisch. Sie waren große Stimmen der jungen Generation Amerikas, eines Landes, dessen Zerrissenheit sich im Werk dieser Hochbegabten widerspiegelt.

Rapper Mac Miller ist kürzlich mit 26 Jahren verstorben. Foto: dpa/Owen Sweeney
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