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Musikbrunnen am Stadtbrückchen: Ein Werk von Joachim Schmettau

Musikbrunnen : Zur Wassermusik fehlt nur der Taktstock

Der originelle Musikbrunnen am Stadtbrückchen wurde von dem berühmten Berliner Bildhauer Joachim Schmettau geschaffen, zur Freude der Passanten.

Das waren noch Zeiten, als die KKB Kundenkreditbank ihren Sitz in Düsseldorf hatte und schon 1962 eine elektronische Datenverarbeitung besaß. In den 1970er Jahren geriet sie allerdings in den Fokus der Gerichte und wurde zunächst zu 56 Prozent von der US-amerikanischen First National City Bank of New York, später Citibank, geschluckt. Dennoch kam es 1985 zu einem stattlichen Neubau an der Kasernenstraße, Ecke Stadtbrückchen und 1986 zu einem kolossalen, sehr beliebten Musikbrunnen.

Das Geschenk an die Bürger kostete die KKB eine Million Mark. Sprecher der Geschäftsleitung war Günter Schneider, der nach Auskunft des damaligen Pressesprechers Folkert Mindermann ein sehr kunstaffiner Mensch war. Er habe den Brunnen zugleich als Dank an die Stadt aufgefasst, denn das Architekturbüro RKW konnte den Neubau in nur 14 Monaten Bauzeit hochziehen. Dazu gehört eine immense Tiefgarage zwischen Breite Straße und Kasernenstraße. Sie beherbergt nicht nur die Blechlawinen des Geldinstituts, sondern ist eine öffentliche Garage für das gesamte Umfeld. Die Entlüftung ist monströs. Sie hätte den Platz hinter dem Wilhelm-Marx-Haus total verschandelt. Kunst sollte daher den Platz verschönern.

Den Wettbewerb schrieb die KKB-Bank aus. Es konnte sich jedermann beteiligen. Das Motiv war frei gestellt. Erstmals kam in Düsseldorf ein Künstler aus Berlin zum Zuge. Joachim Schmettau (Jg. 1937) war von 1971 bis 2002 Professor für Bildhauerei an der Universität der Künste in Berlin und hatte 1983 mit dem „Weltkugelbrunnen“ auf dem Breitscheidplatz in Berlin Furore gemacht.

Der berühmte Mann, in Düsseldorf noch heute ein Unbekannter, findet rückblickend die Ausschreibung nicht ganz einfach. Die Be- und Entlüftung erforderte eine bestimmte Höhe  für die Umkleidung, die die technische Anlage verdecken sollte. Dennoch war Schmettau gewillt, „aus den Steinen Musik zu machen“. In Absprache mit RKW wählte er einen rötlichen Granit, einen kostbaren Stein aus Portugal, der zum Verwaltungsgebäude passt.

„Um auf die Höhe der Entlüftung zu kommen, habe ich in die Mitte eine Säule über der Entlüftung errichtet und darauf die vergoldete Figur eines Dirigenten gestellt“, so der Künstler. Noch heute sei er stolz auf diese Idee, aber zugleich traurig, weil dem Dirigenten der Taktstock im Laufe der Zeit abhanden gekommen ist. Niemand weiß, wo er geblieben ist.

Schmettau ist bei aller Strenge im Aufbau der Installation über einem quadratischen Grundriss ein erzählfreudiger Künstler. Die Lust am Detail lebt in all seinen Figuren, diesen glatten, einfachen und kompakten Körperformen, die doch so beredt sind. Sie ergeben, würde man sie tatsächlich zum Klingen bringen, ein lustiges Konzert.

Alle Figuren sind aus dunkelpatinierter Bronze. Da ist der Sänger. Er steht auf der Einfassung des Brunnens und wartet gleichsam auf den  Einsatz des blattvergoldeten Dirigenten in der Höhe, zu dem er aufblickt. Auf seinem Kopf ist die Zahl 1986 eingeschrieben, das Datum der Einweihung. Der Kopf erinnert in der Form an den der Nofretete, die Schmettau aus Berlin bestens kennt.

Rechts von ihm gibt es ein kleines Relief mit einem Elefanten. Schmettau, der glücklich ist über so viel Interesse an seinem Werk, erklärt doch tatsächlich am Telefon: „Der Elefant unterstützt den Sänger mit seinem Prusten. Er bläst aus seinem Rüssel.“ Auch zwei weitere rüsselartige Formen wirken wie Blasinstrumente, die ideal für Urlaute geeignet sind, denn Schmettau wollte ein Konzert nicht nur mit klassischen Instrumenten. Ein Saiteninstrument wird durch herabfallende Wasserstrahlen angedeutet.

Auch einen Robert Schumann gibt es, um die lokale Musikgeschichte anklingen zu lassen. Zu den ganz Großen zählt dessen Figur im Brunnen am Marxhaus allerdings nicht. Man findet ihn als kleinen Kerl in einer Nische als Rückenfigur, mit der Aufschrift „Schumann“ auf dem Rücken, Klavier spielend. Es gibt einen Trommler mit zwei Stöcken, vor denen aus einem Behältnis zwei Wasserstrahlen herauskommen. Ein Putto, wie man ihn sich an der Fassade von Notre Dame vorstellen kann, trägt ein Horn und wurde, so Schmettau, an zwei Stäben im Marmor befestigt. Nun sprüht das Horn im Wechsel weniger Sekunden gegen die Wand.

„Der ganze Brunnen ergibt ein Konzert“, sagt der Künstler. Würde man eine Drohne mit eingebauter Kamera über ihm fliegen lassen, könnte man die Vielgestalt sofort erfassen. So muss man um den Brunnen herumgehen, um all die Elemente in den verschiedenen plastischen Stilen zu entdecken. Denn die reduzierten Figuren wirken zugleich traditionell und modern. Und die Menschen nehmen sie gern an. Bei schönem Wetter sitzen sie auf seiner Umrandung und schlecken Eis aus einer beliebten Eisdiele in der Nachbarschaft.

Die Stadt kann glücklich über das Geschenk sein, denn noch heute kommt das Brunnenwasser aus dem Gebäude des Geldinstituts. Zu hoffen ist, dass die Stadt sich des Brunnens auch würdig erweist und die verkalkten Granitsteine endlich einmal saniert, denn auch Steine wollen gepflegt werden.