Musik hält jung: 60-Jährige spielt jetzt in einer Rockband

Musik hält jung: 60-Jährige spielt jetzt in einer Rockband

Beatrix Wirbelauer hat sich mit 60 einen Lebenstraum erfüllt: Sie spielt jetzt Bass in einer Ü60-Rockband.

Düsseldorf. „Rockmusik war stets meine Herzensangelegenheit, ich habe die Bands immer bewundert“, sagt Beatrix Wirbelauer. Die Augen der 62-jährigen strahlen, während sie von der großen Zeit des Rock ’n’ Roll in den 60ern erzählt, von den Stones, den Kings und ihrer „absoluten Lieblingsband“, den Small Faces. „Ich war ein richtiger Groupie, bin denen hintergefahren und habe den Leadsänger getroffen.“ Die Begeisterung für die Musikrichtung ihrer Kindheit und Jugend ist nie abgebrochen. „Mein großer Traum war es immer, selbst in einer Rockband zu spielen. Und ich war mir sicher, dass es vielen anderen in meinem Alter genau so geht.“

Kurz nach ihrem 60. Geburtstag erzählt sie dem Leiter der privaten Musikschule „Music Academy“, Lars Dannenberg, von ihrer Idee, eine Rockband speziell für Menschen über 60 zu gründen. „Sie hat damit offene Türen eingerannt“, erinnert der sich. Das Interesse war sofort groß, inzwischen spielen über 30 Senioren in vier verschiedenen Bands beim Projekt Faltenrock.

„Einige fangen bei null an, andere haben in ihrer Jugend gedaddelt, bis irgendwann Beruf und Familie dazwischenkamen. Und manche haben immer Musik gemacht, in Kirchenchören oder Orchester, und dann gemerkt, dass ihnen das Dreckige, Laute des Rock’n’Roll fehlt“, erzählt Beatrix Wirbelauer.

Ein Instrument hat sie jahrelang nicht in den Händen gehabt. „Als Teenager musste ich Gambe lernen, ein klassisches Streichinstrument. Das passte zu mir als Rock-Fan natürlich gar nicht. Eines Tages habe ich das Teil vor lauter Wut zertrümmert.“ Vor zwei Jahren beginnt sie, E-Bass zu lernen. „Als ich den zum ersten Mal umgehangen habe, das war schon ein komisches Gefühl. Ich hatte großes Respekt.“ Heute greift sie umso selbstverständlicher in die Saiten des feuerroten Instruments, spielt mit ihren Mitstreitern „All or nothing“, ein Lied „ihrer“ Small Faces. „Das ist immer mein Highlight. Wenn wir das spielen, fühlt sich das wie fliegen an.“

Nach ihrem ersten Auftritt im Herbst 2013 im Zentrum plus Lichtenbroich sei sie „stolz wie Oskar“ gewesen, so die zierliche Bassistin. „Meist sind die Leute bei den Auftritten erstmal skeptisch. Nach dem Motto ,Mal sehen, was die Alten noch so draufhaben’“, erzählt Gitarrist und Sänger Wolfgang Padel. „Wir sind keine Profi-Musiker. Aber wir sind mit Spaß bei der Sache, und der überträgt sich immer auch aufs Publikum“.

Derzeit probt die rüstige Ü60-Band einmal wöchentlich für ihren Auftritt im Rahmen einer „lauten Lesung“, bei der das Buch „Das Phantom, der Opa“ vorgestellt wird. Die Autoren Marina Reiter und Wolfgang Kracht haben darin 14 skurrile Geschichten von Menschen zusammengetragen, die sich im Rentenalter nicht zur Ruhe setzen, sondern noch mal Gas geben.

Einige davon sind auch bei der Lesung zu Gast, wie der in Bayern lebende Norbert Hölter, der Hilfsprojekte gründet und sich gegen Analphabetismus auf den Philippinen engagiert. Oder der Gummersbacher Peter Rautenberg, der mit 52 unter tragischen Umständen seinen Job verliert und sich dann selbstständig macht. „Es ist ein Mutmach-Buch, das beweist, was im vermeintlich hohen Alter noch alles möglich ist“, sagt Beatrix Wirbelauer. Auch ihr und „Faltenrock“ ist darin ein Kapitel gewidmet - mit dem passenden Namen „Gambenmord“.