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Museumspläne: Ackermann denkt an Otto Dix

Museumspläne: Ackermann denkt an Otto Dix

Die neue Chefin der Kunstsammlung beginnt mit Beuys. Das K 20 wird im August 2010 wieder öffnen.

Düsseldorf. Marion Ackermann, Chefin des Kunstmuseums Stuttgart, übernimmt im September die Kunstsammlung NRW. Bevor sie sich am Donnerstag Abend unter dem wenig werbewirksamen Titel "Kriege, Krisen, Katastrophen" den Kunden der HSBC Trinkaus-Bank vorstellte, führte sie mit unserer Zeitung ein Gespräch.

Sie begann mit einem Beuys-Zitat, indem sie erklärte, etwas müsse absterben, damit etwas Neues entstehen könne. Beuys werde das Programm im nächsten Jahr bestimmen. Mit ihm wird die Quadriennale ab 9./10.September eröffnet.

Dies geschieht übrigens unter der Regie der neuen Generalintendantin selbst. Pia Müller-Tamm, die das Projekt bis zu ihrem Ausscheiden als künstlerische Leiterin am Grabbeplatz betreut hat, ist endgültig ausgestiegen. Sie konzentriert sich auf ihre neue Tätigkeit als Leiterin der Kunsthalle Karlsruhe.

Marion Ackermann hinterlässt in Stuttgart ein Kunstmuseum mit einer qualitätvollen Sammlung von 15 000 Arbeiten, darunter die weltweit bedeutendste Kollektion von Otto Dix. Der Künstler gilt als verstörend in der Darstellung von Gewalt und Sexualität, als Provokateur und Maler der Neuen Sachlichkeit. Ob sie sich vorstellen könnte, eine Dix-Schau in Düsseldorf zu zeigen? "Dix steht auf meinem Wunschzettel", sagt sie.

Sie könne sich auch denken, dass man am Rhein das kritisch-künstlerische Potenzial verstärkt. Sie vermisse in der Kunstsammlung aber auch die Malerinnen und Bildhauerinnen. "Die Absenz der Künstlerinnen in der Sammlung ist schockierend, das gilt allerdings nicht nur für Düsseldorf", sagt sie. Ausgehend von der Beuys-Retrospektive will sie während der Quadriennale damit beginnen, Aktionen und Performances zu zeigen. Performances habe es in Düsseldorf bisher zu wenig gegeben.

Was sie am Rhein inzwischen schätzen gelernt habe, sei das Niveau der Sammlung, die Werner Schmalenbach aufgebaut hat. "Die Qualität ist toll. Schmalenbach erzieht einen, noch strenger hinzugucken."

Worauf sie sich freue: "Wir haben einen erhöhten Ankaufs-Etat. In Stuttgart hatten wir offiziell nur 150 000 Euro für Ankäufe, aber ich habe in vier Jahren für über 16 Millionen Euro Kunst gekauft, darunter vier Dix-Bilder und die Lacktafeln von Herberts. Außerdem durfte ich Überschüsse, die ich durch Sparsamkeit erwirtschaftete, in Kunst anlegen. Bei mir hieß es deshalb immer: Sparen, Sparen, Sparen." Über die Höhe ihres Düsseldorfer Ankaufsetats schweigt sie. Insider erklären, er werde bei rund zwei Millionen Euro liegen.

Und die Krise? "Wir werden auch No-Money-Künstler zeigen. Wir werden für die Wiederkehr des Ephemeren (das Außenstehende) sorgen. Und wir werden die Ausstellungen so gestalten, dass wir auch die Betrachter aktivieren. Aber wir haben schon so große Zusagen für das Sponsoring bekommen, dass wir für die Zukunft keinen Grund zum Klagen haben."

Zurzeit wird die Kunstsammlung saniert. Der genaue Zeitpunkt der Eröffnung ist noch unklar, doch im August 2010 soll die gesamte Sammlung wieder zu sehen sein.