Monika Medam über Düsseldorf in der Jan-Wellem-Zeit

Literatur : Monika Medam erzählt von „kleinen“ Leuten im barocken Düsseldorf

Die Autorin begibt sich in ihrem Buch „Die Blumen der Madame Ruysch“ in die Zeit von Jan Wellem.

Düsseldorf zu Beginn des 18. Jahrhunderts: Mechtild Mauel ist die kunstbegabte Tochter eines Goldschmieds. Der wird vom Herrscherpaar Jan Wellem und  Anna Maria Louisa de Medici beauftragt, Schmuck anzufertigen. Mechtilds Bruder Bernhard führt den Auftrag mit Hilfe seiner Schwester aus. Die Goldschmied-Tochter präsentiert dem Kurfürstenpaar aber selbst den Schmuck. Verkleidet  als ihr Bruder. Am Hof trifft sie auf die renommierte niederländische Malerin Rachel Ruysch. Eines ihrer Blumenstillleben fasziniert Mechtild so sehr, dass sie beschließt, Malerin zu werden und sich für ein Kunststudium am Hof zu bewerben, auch verkleidet als Mann. Ihr Plan geht auf, Ruysch nimmt sie als Schülerin auf.

„Kleine“ Leute treffen auf Förderer am kurfürstlichen Hof

„Die Blumen der Madame Ruysch“ ist eine von fünf Erzählungen, die Monika Medam in ihrem gleichnamigen Buch schildert. Die Autorin nennt sie „Lebensbilder aus Jan-Wellem-Zeit“. Immer handeln sie von Aufstiegsgeschichten der „kleinen“ Leute in Düsseldorf unter dem Barockfürsten Johann Wilhelm II.

Die Hauptfiguren schaffen es mit Kreativität, Mut und Gewitztheit, letztlich ihren Wunschberuf auszuüben. Sie brauchen aber, wie heute auch, eine Person, die ihr Talent entdeckt. Diese Vermittlerfiguren tummeln sich am Hof. Der Küchenmagd Catharina Burghofer gelingt etwa, bei der Familie von Schaesberg als Köchin angestellt zu werden, weil Hofkoch Philipp Drexeler sie fördert. Es geht aber auch andersrum: Der kurfürstliche Resident Daniel Steingens wird bei seiner Suche nach einem königlichen Münzmeister von Riccardo unterstützt, dem Diener des Kastratensängers Benedetto Baldassari, in den Jan Wellem vernarrt war. Steingens und Riccardo treffen sich immer in einem Düsseldorfer Hofbrauhaus.

Medam vermischt Fakten und Fiktion. Historisch verbriefte Figuren treffen auf erfundene Akteure. Mechtild, Catharina oder Riccardo sind der Fantasie entsprungen. Die Autorin schildert die Akteure, ihre Milieus, Berufe und Begegnungen so detailliert, plastisch und lebendig, dass man glaubt, diese Geschichten hätten wirklich so stattgefunden. Auch das barocke Düsseldorf unter Jan Wellem schildert Medam höchst anschaulich. Wie die Stadt unter dem Kurfürsten zum kulturellen Zentrum Europas avanciert, wie er Straßen pflastern lässt, Straßenbeleuchtungen einführt, eine Medizinal-Ordnung erlässt, nach der Mediziner ihre Heilfähigkeiten erst einmal prüfen lassen müssen, wie er aber auch seine Gemäldesammlung öffentlich zugänglich macht, was viele Besucher in die Residenzstadt am Rhein lockt. Jan Wellem und Anna de Medici erscheinen als Visionäre, die Düsseldorf internationalen Glanz verpassten. Sie gaben immense Geldsummen aus, machten riesige Schulden, doch die Düsseldorfer Bevölkerung hat auch davon profitiert. Eine Leistung, über die wir heute viel zu wenig wissen.

Jedem „Lebensbild“ folgt noch ein Nachwort, das pseudofaktisch wie am Ende eines Doku-Dramas einen Ausblick gibt, wie die Geschichte weitergegangen ist. Ein lesenswertes Buch.

Info: Monika Medam: Die Blumen der Madame Ruysch. Lebensbilder aus der Jan-Wellem-Zeit. Grupello Verlag, 80 Seiten, 12,90 Euro.