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Meta Marathon Düsseldorf: Rainer Zimmermann spricht mit Roboter

Meta Marathon : Professor spricht mit Roboter

Kommunikationswissenschaftler Rainer Zimmermann wird sich beim Meta Marathon mit einer Maschine unterhalten.

Der Kommunikationswissenschaftler und Unternehmer Rainer Zimmermann lehrt an der Hochschule Düsseldorf als Professor für Strategie, Design und Kommunikation. Beim Meta Marathon wird er dem momentan berühmtesten Roboter der Welt, Sophia, philosophische Fragen stellen. Wir sprachen mit ihm darüber, was hinter der Popularität von Sophia steckt und ob es überhaupt berechtigt ist, die Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie zu feiern.

Herr Zimmermann, in der Diskussion um Künstliche Intelligenz gibt es ja zwei Fraktionen: Die eine sagt, dass KI unser Leben leichter macht, die andere sieht KI skeptisch, empfindet sie gar als Bedrohung. Zu welcher Fraktion gehören Sie?

Interviewt einen Roboter: Rainer Zimmermann. Foto: Rainer Zimmermann

Rainer Zimmermann: Wir haben es hier mit einer Analyse-Methode zu tun. Es werden große Datenmengen ausgewertet und das ist eine Ergänzung für uns Menschen, weil wir das nicht in dieser Masse und in dieser Geschwindigkeit können. Darin liegt auch der Nutzen. Jetzt allerdings – wie die meisten – davon auszugehen, dass hier eine neue Intelligenz auf die Welt kommt, halte ich für sehr schwierig.

Inwiefern?

Zimmermann: Die Hoffnung ist ja, dass die Künstliche Intelligenz uns als Menschen erlösen wird, dass wir die Möglichkeit bekommen, perfekt zu werden, indem wir Mensch und Maschine miteinander synthetisieren. Maschine und Mensch zusammen bilden das Bild eines neuen Gottes. Aber der Begriff Intelligenz ist sehr missverständlich: Menschen beurteilen wir nicht anhand ihrer Intelligenz, sondern anhand ihrer Vernunft und anhand ihres Charakters. Das zweite Problem besteht darin, dass notwendige Bedingungen für Intelligenz Fantasie und Vorstellungskraft sind. Die haben die Maschinen aber nicht. Ich würde insofern nicht davon sprechen, dass es intelligente Maschinen gibt oder auch jemals geben kann.

Wieso gilt die Künstliche Intelligenz dann als zukünftige Schlüsseltechnologie?

Zimmermann: Das ist in hohem Maße Propaganda des Silicon Valley, die für ihre algorithmische Analysefähigkeiten auf Basis von Big Data den Begriff Intelligenz benutzt haben. Das ist ja pure Rhetorik. Natürlich haben viele Wirtschaftsunternehmen ein Interesse daran, diese Technologie zu fördern. Es geht um Geld, aber auch um Kontrolle und Verwaltung von Menschen, wenn Sie sich etwa das Social-Scoring-System in China anschauen.

Ein „Stargast“ auf dem Meta Marathon wird der international bekannte Roboter Sophia. Sophia war Covermodel der Vogue, spricht mit Politikern und soll auch bald bedingungslos lieben können. Wie bewerten Sie, dass ein Roboter fast wie ein Pop-Star gefeiert wird?

Zimmermann: Sophia ist im Augenblick die PR-Botschafterin in eigener Sache. Sie reist um die Welt, verkündet das neue Narrativ der Künstlichen Intelligenz und bereitet den Boden für einen Markt. Wenn das Ding irgendwann entwickelt und ausgereift ist, will der Hersteller Hanson Robotics es ja in Serie geben und dann wird man das kaufen können.

Sie werden mit Sophia beim Meta Marathon über Philosophie und Identität reden. Was bezwecken Sie damit?

Zimmermann: Wir wollen in dem Interview herausfinden, ob die Antworten von ihr gescripted sind, ob sie spontan auf Fragen reagieren kann, wie selbstständig und intelligent sie eigentlich ist.

Was werden Sie Sophia fragen?

Zimmermann: Wir fragen nach ihrer kulturellen Identität. Ob sie sich selbst ausgesucht hat, Staatsbürgerin von Saudi-Arabien zu werden, ob sie eine Kindheit hatte, oder wie es ihr damit geht, dass Menschen sie Roboter nennen.