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Martin Zingsheim vertrat Christian Ehring in der Düsseldorfer Tonhalle

Konzert : Martin Zingsheim vertrat Christian Ehring in der Tonhalle

Der Kabarettist entführte die Zuschauer mit dem Orchester L’arte del mondo und dem Al Ol Ensemble in die Wüste.

Draußen eher winterliche Temperaturen, drinnen in der Tonhalle ging es „heiß“ her. In der inzwischen dritten Vertretung von Christian Ehring in der Konzertreihe ging am Sonntagnachmittag der Kabarettist Martin Zingsheim „ins Konzert“. Mit dem Orchester L’arte del mondo und dem Al Ol Ensemble unter der Leitung von Werner Ehrhardt zog es den Kabarettisten „in die Wüste“.

Entsprechend standen Werke auf dem Programm, die thematisch vor dem inneren Auge Karawanen, arabische Nächte und die Farben des Orients vorbeiziehen ließen. Al Ol, so lernt man vom Conférencier Zingsheim, bedeutet Wüstensturm. Das gleichnamige Ensemble überrascht nicht nur mit orientalischer Instrumentierung, wie der Oud (eine Art Laute ohne Bünde) und der Sitar. Deren Spieler Yair Dalal und Yotam Haimovitch stechen auch optisch heraus. Die beiden tragen lange Tuniken in Weiß. Haimovitch spielt seine Sitar zudem barfüßig mit untergeschlagenen Beinen auf einem kleinen mit einem Teppich verhüllten Podest. Ganz so, wie es in der indischen Musik üblich ist.

Zwar seien die Heimatstädte Mozarts, Griegs oder Tschaikowskys eher nicht als „klassische Wüstenmetropolen“ bekannt, merkt Martin Zingsheim zu Beginn augenzwinkernd an. „Aber es soll ja auch ein Konzert werden, dass in die Zukunft blicken möchte“, meint der Kabarettist mit Blick auf den Klimawandel und der sich immer weiter ausbreitenden Wüsten weltweit. So erklärt es sich, dass unter anderem die drei genannten Komponisten ebenso mit Werken im Programm vertreten sind, wie Stücke von Elgar, Mussorgsky oder Saint-Saëns. Dabei stehen Musiken im Mittelpunkt, die vornehmlich für die Abendstunden dereinst komponiert wurden und unter freiem Himmel gespielt werden sollten. So wie „dem Wolfgang sein Open Air Event“ (Zingsheim über Mozarts „Divertimento D-Dur KV 136“), deren Schöpfer entweder nur im Geiste (wie Edvard Grieg) oder tatsächlich die Welt bereist haben.  

Soweit der Okzident. Für den Orient zeichnet das Al Ol Ensemble mit Stücken aus der Feder des Sängers und Musikers Yair Dalal verantwortlich, wie das elegische „Perfume Road“ über eine Karawanenstraße, gewissermaßen „die A3 der Antike“ (Zingsheim).  Dalal, Violinist und Oud-Spieler mit israelisch-irakischen Wurzeln, meint auf Zingsheims Frage, was wohl Grieg zu ihrer Interpretation seines „Arabischen Tanzes“ aus „Peer Gynt“ an diesem Nachmittag sagen würde: „So wie er es sich vorgestellt hat, tanzen Araber nicht. Ich denke mit meiner Oud bekommt das Stück Authentizität.“

Martin Zingsheim ist begeistert von der Tonhalle

Zwei Stunden lang zeigen die Musiker das, „was Politik und Gesellschaft wohl noch lernen müssen“: Ein sich inspirierendes Zusammenspiel von „krass vertrackten orientalischen Rhythmen und dagegen herrlich unterkomplexen westlichen Ansätzen“ (Zingsheim), gewürzt mit kurzweiligen Moderationen eines von der Tonhalle begeisterten Kabarettisten: „35 Jahre lang hielt ich die Kölner Philharmonie für das Größte. Jetzt kenne ich die Tonhalle und gebe zu, das bei uns zuhause ist nix dagegen“, lobt Zingsheim, der in der Domstadt lebt.

Den Abschluss der Konzertreihe in Vertretung von Christian Ehring macht am 9. März Torsten Sträter.